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Biografie von Kurt Motlik

Bild von Kurt Motlik

Kurt Motlik wurde am 29. Oktober 1926 in Wien geboren.

Sein Vater (1889-1967), gebürtiger Tscheche, arbeitete trotz Körperbehinderung durch Kriegsverletzung als selbstständiger Schneidermeister in einer kleinen Wiener Mietswohnung.

Kurt Motliks Mutter (1889-1938), gebürtige Tschechin, war gelernte Modistin (Herstellung von Kopfbedeckungen) und ab Geburt des 1. Sohnes nicht mehr berufstätig. 

1919 lies sich Familie Motlik als Staatsbürger der Republik Österreich einbürgern und wurde fortan als "Gastarbeiter" von der Wiener Stammbevölkerung und als "Verräter" von den Tschechen geächtet.

Nach Volks- und Hauptschule besuchte Kurt Motlik die staatliche Ingenieurschule mit Unterbrechung wegen Einberufung zum Krieg im Jahr 1944. Trotz schwerer Sprachbehinderung durch Kriegseinwirkung (verwundet und verschüttet) legte Kurt Motlik im Juni 1946 die erste Friedensreifeprüfung mit "ausgezeichneten Erfolg" als „Ingenieur für Maschinenbau“ ab. Danach erhielt er Arbeit als Hilfsarbeiter in einer Ausbesserungswerkstätte für Dampflokomotiven und  wurde kurz darauf technischer Fachbeamter bei den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) im öffentlichen Dienst.

Nach Wechsel in das Arbeitsgebiet "Versuchs- und Messtechnik für Schienenfahrzeuge" in die Generaldirektion der ÖBB übte Kurt Motlik diese Tätigkeit in leitender Funktion bis zur Ruhestandsversetzung aus und konnte im Verlauf von mehr als drei Jahrzehnten alle Entwicklungsstufen der Messtechnik und des Schienenfahrzeugbaus entscheidend mit gestalten. Eine Reihe von spektakulären Versuchen unter seiner Leitung war auch der Anlass, weshalb Kurt Motlik im April 1979 vom österreichischen Bundespräsidenten „Für Verdienste um die Republik Österreich“ ausgezeichnet wurde. Zu diesen Versuchen gehörten:

  • Lauf- und schwingungstechnische Untersuchungen einer jugoslawischen E-Lok auf der Strecke Zagreb – Belgrad. (Auftraggeber: Verkehrsministerium der VR Jugoslawien – Juni 1974)
  • Gesamte statische und lauftechnische Erprobung von Fahrzeugen der Wiener U-Bahn vor ihrer Inbetriebnahme im Verlauf von 267 Messfahrten bis zur Serienreife auf einer eigenen Versuchsstrecke. Zwischen drei Messfahrtgruppen jeweils längere Unterbrechungen zur Auswertung und Optimierung. (Auftraggeber: Wiener Verkehrsbetriebe – März 1973 bis März 1977)
  • EKG – und EEG Messungen an 21 freiwillig gemeldeten E-Lokführern bei verschiedenen Zuggattungen auf der Strecke Wien-Villach-Wien im Verlauf von 52 Messfahrten als Forschungsauftrag . (Antragsteller: Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung – Oktober 1977 bis November 1978)
  • Luftwiderstandsmessungen mit der ganzen österreichischen Skinationalmannschaft (Karl Schranz, Annemarie Pröll, etc.) im Windkanal zur Vorbereitung für die olympischen Winterspiele 1972 in Sapporo. (Auftraggeber: österreichischer Skiverband – November 1971). 

Kurt Motlik hat seine Ehegattin (geb. 04.06.1929 in Wien) knapp vor seinem Fronteinsatz (Januar 1945) kennengelernt und im September 1947 geheiratet. Das Ehepaar Motlik beging 2010 seinen 63. Hochzeitstag. Frau Motlik erlernte den Beruf einer technischen Zeichnerin, gab ihn aber auf als die einzige Tochter im Juli 1959 zur Welt kam. Die Tochter ist heute Lehrerin an einer berufsorientierten Mittelschule und mit einem Versicherungsjuristen seit 25 Jahren verheiratet. Ihre beiden Kinder, ein Junge (1991) und ein Mädchen (1992) haben mit „ausgezeichnetem Erfolg“ maturiert und studieren weiter (Publizistik bzw. Innenarchitektur). 

Bis zur Gegenwart (Kurt Motlik)

Schon geraume Zeit vor dem absehbaren Ruhestand habe ich begonnen, Dinge, die ich gerne machen wollte, aber aus zeitlichen Gründen nicht konnte, vor mir herzuschieben, um sie dann in aller Ruhe zu verwirklichen:

  • Garten:
    Ich hatte seit 1959 in der Nähe meines Wohnsitzes einen Garten mit 430qm mit einem kleinen Häuschen, in dem meine Tochter und meine beiden Enkeln ihre Kindheit verbracht und genossen haben. Das erforderliche Pflegen und Umgestalten nahm sehr viel Zeit in Anspruch. Dieser Garten musste leider im Jahre 2004 einer Autobahn weichen.
  • Briefmarken:
    Knapp vor meiner Pensionierung erhielt ich etwa 35.000 Briefmarken aus 241 Ländern bzw. Postverwaltungen ungeordnet und in loser Schüttung. Wenn man von Briefmarken eine Ahnung hat weiß man auch, dass man jede Marke 6 bis 7 Mal in die Hand nehmen muss, um sie geordnet und jederzeit schnell auffindbar in Alben oder Steckkarten unterzubringen.
  • Eisenbahnmuseum:
    Anlässlich des 150. Geburstag der ÖBB im Jahre 1987 habe ich in einer eigenen Kleinwohnung eine Ausstellung gestaltet, die nur für Gäste zugänglich ist. Sie umfasst mehrere Bahnexponate aus dem 19. Jahrhundert und u.a. auch 29 Dioramakästen, wo ich versuche, die Entwicklung von Eisenbahnfahrzeugen über Jahrzehnte durch Modelle darzustellen und zwar unterteilt in Dampf,- Diesel- und Elektrotraktion. Der Fahrpark besteht aus 30 Lokomotiven (ab 1905), 12 Triebwagen (ab 1935) einschließlich ICE, 74 Reisezugwagen (ab 1910), sowie 65 Güterwagen und Sonderfahrzeuge. Außerdem sind Briefmarken mit Bahnmotiven aus weltweit 59 Ländern ausgestellt.

Zeitgeschichte (Kurt Motlik)

Aus dem Bedürfnis heraus der Nachwelt das Leben eines Menschen zu schildern der im 20. Jahrhundert gelebt und gelitten hat, brachte ich im Jahre 1996 eine sehr ausführliche Beschreibung meines Lebens zu Papier. Sie umfasst 92 Seiten (A4-Maschine). Im Anschluss daran hielt ich es für notwendig einen zeitgeschichtlichen Hintergrund zu schaffen, der Leser in die Lage versetzt, manche meiner persönlichen Lebensentscheidungen besser verstehen zu können. In dieser Niederschrift wird jedes einzelne Jahr von 1926 bis 2000 in Schlagsätzen hinsichtlich Politik – Inland, Politik – Ausland, Wirtschaft, Verkehr, Kultur, Sport, usw. aber auch berühmte in- und ausländische Persönlichkeiten beschrieben, wodurch ein umfassender Eindruck dieser Zeit vermittelt wird. Sie umfasst 202 Seiten (A4-Maschine). Das Gesamtwerk mit fast 300 Seiten trägt den Titel „Ein Menschenschicksal im 20. Jahrhundert“. Dieser Umstand führte über den Wiener Böhlau-Verlag direkt zur Universität Wien für die ich von 2005 bis 2008 die 26 hier veröffentlichten Beiträge geschrieben habe.

Bereits im Jahre 2000 wurde meine zeitgeschichtliche Tätigkeit auch im Schulbereich bekannt, wodurch ich bis zum Jahre 2005 die Möglichkeit hatte in mehreren Klassen von Wiener Volks- und Hauptschulen den Kindern auf volkstümliche Art die Geschichte ihrer Heimat näher zu bringen und schätzen zu lernen. Außerdem habe ich bei Lehrausgängen, bei Schulprojekten und im Lehrfach „Werken“ mitgewirkt. Im Jahre 2005 musste ich diese Tätigkeit jedoch einstellen, da ich kaum noch gehen und stehen konnte. Ich benötigte eine rechte Hüftprothese (die linke Hüftprothese bekam ich bereits im Jahre 2000 als Spätfolge meiner Verwundung), wodurch sich zwar das Gehvermögen verbesserte, aber eine Gehbehinderung geblieben ist, die ich teilweise durch die Verwendung einer Krücke ausgleichen kann.

In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass ich im Anschluss daran, die Möglichkeit hatte drei nahe Verwandte zur Matura zu begleiten.

Ich könnte diese Aufzählung fortsetzen da ich zum Beispiel auch auf dem Gebiete der Finanzplanung, der Raumplanung sowie bei der Gestaltung medizinischer Studien tätig war und teilweise auch bin. Aber dies würde sicher diesen Rahmen sprengen.

Lebenseinstellung - Visionen (Kurt Motlik)

Durch eine möglichst sinnvolle Gestaltung meines Lebens versuche ich Körper, Geist und Seele fit und im Gleichgewicht zu halten. Für die Zukunft wünsche ich mir, meine Erfahrungen noch lange weiter geben zu können. Zu diesem Zweck benütze ich auch Leitsätze, wie zum Beispiel:

„Jeder Stillstand ist ein Rückschritt“ oder „Müssen, sollen, möchten“, wenn gleichzeitig mehrere Aufgaben zu bewältigen sind. Durch diese Ordnung kann man in vielen Fällen Chaos vermeiden. Oder „Heute schon an Übermorgen denken, setzt aber voraus, dass man gestern schon an morgen gedacht hat“, also auf verschiedenen Gebieten vorausschauend planen.Das Leben wird dadurch zwar etwas komplizierter, aber es lohnt sich.

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