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Garten und Gartenarbeit

Gartenarbeit ist vielen Menschen ein Lebensbedürfnis geworden. Kaum eine andere Freizeitbeschäftigung ist so vielseitig und so interessant. Im Garten findet jeder, gleich welcher Tätigkeit er sonst nachgeht, Erholung und Entspannung. Die Gartenarbeit bietet geistigen und körperlichen Ausgleich, hat darüber hinaus den Vorzug, nicht nur dem einzelnen, dem unmittelbar im Garten Wirkenden, von Nutzen zu sein, sondern unserer ganzen Gesellschaft. Gut gestaltete Kleingartenanlagen und Siedlungen verschönern unsere Städte und Dörfer.

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Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen

Die für das Pflanzenwachstum erforderlichen Nährstoffe werden unterteilt in Hauptnährstoffe und Spurenelemente. Hauptnährstoffe sind Stickstoff, Phosphor, Kali, Kalk und Magnesium. Schwefel, Natrium, Chlor, Eisen, Kupfer, Mangan, Bor, Zink und Molybdän werden als Spurenelemente bezeichnet, weil die Pflanzen davon nur geringe Mengen benötigen. Damit den Pflanzen immer in ausreichender Menge Nährstoffe zur Verfügung stehen, muss der Nährstoffentzug durch Düngung wieder ausgeglichen werden.

Organische Dünger

Kompost

Kompost ist der wichtigste organische Dünger im Garten. Hergestellt wird er aus allen anfallenden organischen Abfällen, soweit sie zersetzbar und nicht von Krankheiten und Schädlingen befallen sind.
Das Material wird gemischt und unter Zugabe von Kalk aufgesetzt. Der Komposthaufen soll 1-1,5 Meter hoch sein und sich nach oben verjüngen. Die Breite kann am Fuße 2 Meter betragen. Die Länge richtet sich nach der Menge des anfallenden Materials. Der Standort im Garten sei schattig und windgeschützt. Gut eignet sich ein Platz unter einem großen Baum.
Das Material wird wenigstens zweimal umgesetzt. Je nach der Jahreszeit erfolgt das zum ersten Mal 10-12 Wochen nach dem Ansetzen. Weitere 8-12 Wochen danach wird das zweite Mal umgesetzt. Der Kompost ist nach etwa einem ¾ Jahr so weit verrottet, dass er verwendet werden kann.

Stallmist
Stallmist besteht aus Einstreumaterial sowie aus Kot und Harn der Tiere. Im Gegensatz zum Kompost muss der Mist fest gelagert werden. Man kann Stallmist aber auch zusammen mit den um Garten anfallenden organischen Abfällen kompostieren.

Fäkalien
Die festen und flüssigen Auswurfstoffe der Menschen müssen aus hygienischen Gründen kompostiert werden, bevor sie als Pflanzendünger Verwendung finden. Dieser Dünger enthält viel Stickstoff, hat aber auch einen hohen Chloridgehalt, der für viele Pflanzen schädlich ist.

Torf
Beim Torf muss zwischen Hochmoor- und Niedermoortorf unterschieden werden. Für den Kleingarten ist der Niedermoortorf als Humusdünger gut geeignet. Er hat gegenüber dem Hochmoortorf einen höheren Kalkgehalt, was sich auf die Bodenreaktion günstig auswirkt.

Gründüngung
In vielen Fällen wird in unserem Garten zu wenig Humus vorhanden sein. Die Gründüngung erschließt uns eine weitere Humusquelle. Geeignete Gründüngungspflanzen sind Gelbe Lupinen, Sommerwicken, Phazelia, Rübsen, Serradella und Sonnenblumen.

Mineralischer Dünger
Mineralische Düngemittel dienen der Anreicherung des Bodens mit Nährstoffen, insbesondere mit Stickstoff, Phosphor, Kali und Kalk. Die Kalkdüngung beeinflusst außerdem in beträchtlichem Maße Bodenreaktionen und Bodenstruktur. Die Höhe der Kalkgaben richtet sich dem entsprechend auch nach Bodenart und Bodenreaktion. (pH-Wert). Wie es um die Bodenreaktion bestellt ist, das können wir bei einem Bodenuntersuchungslabor des Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter feststellen lassen. Im Bodenuntersuchungsprotokoll wird genau angegeben, welcher Kalkbedürftigkeitsklasse unser Boden angehört. Insgesamt gibt es drei Kalkbedürftigkeitsklassen. Je nachdem, welcher Bodenart und Bedürftigkeitsklasse der Boden angehört, sind entsprechende Mengen kohlensaurer Kalk zu geben. Wer keine Bodenuntersuchung durchführen lässt, sollte zumindest die für die Erhaltungskalkung angegebenen Mengen verabreichen.

Die Höhe der Kali- und Phosphorgaben sollte dem Nährstoffvorrat im Boden, den wir ebenfalls durch eine Bodenuntersuchung in einem Labor des Verbandes ermitteln lassen können, angepasst werden. Die Angaben über den Phosphor- und Kaligehalt des Bodens erfolgen auf den Bodenuntersuchungsprotokollen in Versorgungsstufen. Es bedeuten: Ia =  sehr hoch, I = hoch, II = mittel, III = arm. Je nachdem in welche Versorgungsstufe der Boden eingeordnet wird, sind entsprechende Nährstoffmengen erforderlich.

Wird keine Bodenuntersuchung durchgeführt, sind die angegebenen Mittelwerte als Anhaltspunkte zu nehmen. Die Stickstoffdüngung richtet sich in erster Linie nach dem Bedarf der Pflanzen.

Geräte und Maschinen für die Gartenarbeit

Zur zweckmäßigen Bewirtschaftung des Gartens sind verschiedene Geräte notwendig.

Für Erdarbeiten und zur Bodenbearbeitung:
- Spaten
- Grabegabel
- Schaufel
- Hacke
- Harke (Eisenrechen)
- Grubber (Kultivator)

Für die Aussaat bzw. Pflanzung:
- Pflanzleine
- Reihenzieher
- Pflanzholz oder Pflanzspaten
- Trittbrett (30x40 cm Größe)
- Pikierkisten und Blumentöpfe

Zur Bewässerung eignen sich verzinkte 10- oder 13-Liter Kannen, Gartenschläuche mit Schnellkupplung oder Regenpilze.

Für Schnittmaßnahmen:
- Veredlungsmesser
- Gartenschere
- Baumsäge

Vorteilhaft ist es, eine Einradschubkarre und ein Kompostiersieb anzuschaffen. Für den Rasenschnitt auf kleineren Flächen werden Sichel, Sense oder Grasschere genommen, auf größeren Flächen ist der Einsatz eines Hand- oder Motorrasenmähers zweckmäßig.

Für den Pflanzenschutz können folgende Geräte empfohlen werden:
- Handpulverzerstäuber - Luftpumpensystem für Kleinstflächen
- Handspritze - zum Sprühen, Stäuben, Spritzen für Kleinstflächen
- Eimerspritze - mit drei verschiedenen Spritzdüsen für kleine Flächen
- Handdruckspritze – zum Spritzen mit Luftdruckpumpe (Reichweite: 1-1,5l) für kleinere Flächen
- Rückenspritze – bestehend aus Messingbehälter, Schlauch und Spritzrohr (Reichweite: 1-2m) für 4,5m hohe Bäume und größere Flächen

Frühbeet und Folienzelt

Unter Frühbeeten und Folienzelten können wir bereits im zeitigen Frühjahr mit der Anzucht von Jungpflanzen für die Gemüse- und Blumenbeete beginnen oder auch Treibgemüse anbauen. Glas und Folie bieten die Möglichkeit, bestimmte Gemüsearten (Salat, Kohlrabi, Radieschen, Gurke, Tomaten) früher und in besserer Qualität zu ernten als es sonst beim Freilandbau möglich wäre. Frühbeete und Folienzelte können vielseitig im Kleingarten genutzt werden.

Bevor ein Frühbeet oder Folienzelt errichtet wird, ist daran zu denken, dass eine derartige Anlage ständig überwacht werden muss. Wo das aus räumlichen und anderen Gründen (lange Anfahrtswege zu Wohnort) nicht möglich ist, wird der Erfolg nur gering sein. In solchen Fällen ist vom Bau abzusehen.

Frühbeete oder Folienzelte müssen täglich gelüftet, gegossen und bei Sonneneinstrahlung schattiert werden.
Ein Frühbeet wird aus Holz, Stein, Beton oder aus Erdwällen gebaut und mit Glasfenstern abgedeckt. Die Größe richtet sich nach den Fenstern. Werden genormte „Gärtnerfenster“ verwendet, so besteht die Auswahl zwischen den Maßen 80x150cm und 100x150cm. Der Kasten kann als „Kaltbeet“ oder als „Warmbeet“ mit Mistpackung angelegt werden. Der Standort sollte windgeschützt und schattenfrei sein. Einseitige Kästen sind in Ost-West-Richtung mit der Neigung der Fenster nach Süden zu errichten. Doppelkästen, in Kleingärten selten vorkommend, sollte in Nord-Süd-Richtung angelegt werden. Die Neigung der Glasscheiben beträgt etwa 5°. Das bedeutet, dass bei einseitigen Kästen die nach Norden gelegene Kastenwand 10 bis 20cm höher als die nach Süden gelegene sein soll. Für Holzkästen, die sich für den Garten am besten eignen, sind 3 bis 4cm starke Bretter zu empfehlen. An der Unter- bzw. Südseite des Kastens wird davon ein etwa 30cm breites Brett angebracht. An der Ober- bzw. Nordseite sind zwei von 20 bis 25cm Breite erforderlich. Die Bretter sind etwas in die Erde einzusenken. Sie werden an Vierkant- oder Rundholzpfählen von 10cm Durchmesser und 80cm Länge für die Oberseite und 60cm für die Unterseite befestigt. Alle 2m wird ein Pfahl gesetzt und zwischen die Wandungen ein Steg eingefügt. Alle Holzteile sind vorher sorgfältig mit einem pflanzenunschädlichen Holzschutzmittel zu imprägnieren.

Für ein Warmbeet ist eine 30 bis 50cm starke Packung aus organischem Material erforderlich. Zu diesem Zweck kann der Boden bereits im Herbst bis zur entsprechenden Tiefe ausgehoben werden. Damit er nicht gefriert, wird die Sohle mit Laub abgedeckt. Ab Ende Januar kann mit dem Packen des Kastens begonnen werden. Am besten eignet sich dafür Pferdedung. Alternativ können auch Stroh, Laub oder andere unverrottete organische Stoffe Verwendung finden. Das Material wird kurz vor dem Packen mit etwa 1,75kg Kalkammonsalpeter, 1kg Superphosphat und 1kg Emgekali je m³ angereichert und angefeuchtet. Sobald es sich im Haufen zu erwärmen beginnt, kommt es in das Frühbeet. Das Material wird gabelweise locker gepackt, angetreten, und dann wird der Kasten mit Fenstern abgedeckt. Etwa drei bis vier Tage später kommt auf die Packung nach ausgiebigem Lüften eine dünne Laubschicht und als Abschluss eine 15 bis 20cm starke Schicht Komposterde, die nach dem Setzten etwa 15cm vom Glas entfernt sein soll.

Heutzutage findet man vorwiegend Plastikfolienzelte. Für die Kleingärtner wird ein standardisiertes Folienzelt von 3m Länge, 2,50m Breite und 0,70 bis 0,80m Höhe angeboten, dessen Einzelsegmente bis zu einer Länge von 30m aneinandergereiht werden können. Eine Zelteinheit besteht aus 3m langen Längsträgern ( ¾ Stahlrohr) mit aufgeschweißten Aufsteckdornen, auf die die PVC-Rohre mit gegenseitigem Abstand von 1m aufgesteckt werden. An den Giebeln werden die Längsträger durch Rohrverbindungsstege verbunden. Die etwa 0,10mm dicken Polyäthylenfolie wird an den Längsträgern und Rohrverbindungsstegen mit Klammern befestigt. Zum Belüften und Bearbeiten kann das Zelt seitlich angehoben werden, durch Stützfüße und -stangen wird es gehalten.

Folienzelte und Materialien für Frühbeete können vom Fachhandel (Gartencenter, Baumarkt) bezogen werden.

Obstbau

Auswahl der Obstarten für Garten - Frischobst für das ganze Jahr

Keinem Gartenfreund ist es wohl gleichgültig, welche Obstgehölze in seinem Garten stehen. Er wird gewiss nur wenig Freude an seinen Beständen haben, wenn nur eine Art vorhanden ist, oder alles zur selben Zeit reift. Deshalb will die Auswahl der Obstgarten wohl überlegt sein. Am zweckmäßigsten ist es immer, davon auszugehen, dass die Familie nicht nur in einem kurzen Zeitraum, sondern das ganze Jahr über mit frischem Obst versorgt sein will. Deshalb sollten möglichst in jedem Garten alle wichtigen Obstgarten vorhanden sein, angefangen von den Erdbeeren und Beerensträuchern über die Sauerkirschen, Pflaumen und Pfirsiche bis hin zu den Birnen und Äpfeln in unterschiedlich reifenden und vor allem lagerfähigen Sorten. Nur für Süßkirschen und Walnüsse gibt es Einschränkungen. Die Bäume werden im Umfang zu groß und gehören deshalb nicht in den Kleingarten. In Hausgeräten mit 600 oder mehr Quadratmetern Fläche dagegen sind Süßkirschen und vielleicht auch ein Walnussbaum im Bereich des Hauses durchaus am Platze.

Ansprüche der Obstarten an den Standort

Bei der Auswahl der Arten für den Klein- und Hausgarten spielt neben dem Bedarf der Familie und des Handels auch der Standort eine wichtige Rolle. Es ist z.B. wenig sinnvoll, auf feuchten, anmoorigen Böden eine Schattenmorelle zu pflanzen, die dann garantiert Gummifluss bekäme oder in rauen Gebirgslagen einen Pfirsich zu pflanzen, der hier beim ersten kalten Winter eingehen würde.

Im einzelnen stellen die Obstarten folgende Ansprüche an den Standort:

Apfel: mittlerer bis schwerer, durchlässiger, genügend feuchter Boden; nicht zu trockene, exponierte Lage

Birne: nährstoffreicher, durchlässiger, nicht zu leichter und zu trockener Boden; warme, eher trockene als zu feuchte Lage

Quitte: nährstoffreicher, nicht zu trockener Boden; warme, geschützte Lage

Süßkirsche: lockerer, tiefgründiger nicht zu nasser Boden; sonnige warme Lage

Sauerkirsche: im allgemeinen wenig anspruchsvoll; nur zu schwere und zu feuchte Böden sind ungeeignet

Pflaume und Zwetschge: mittlerer, humoser, genügend feuchter Boden

Pfirsich: leichter bis mittlerer, durchlässiger, warmer Boden; geschützte, warme Lage; in ungünstigen Gebieten starke Frostgefährdung

Aprikose: mittlerer, kalkreicher Boden; sonnige, warme Lage; auf nicht zusagenden Standorten große Ausfälle durch Frost

Haselnuss: wenig anspruchsvoll, nur zu leichte und zu trockene Böden sagen ihr nicht zu

Walnuss: im allgemeinen nicht so anspruchsvoll wie oft angenommen wird, nur besonders frostgefährdete Gebiete und Böden mit zu hohem Grundwasserstand sind für den Anbau ungeeignet

Erdbeere: gedeiht in allen kulturfähigen, schwachsauren Gartenböden und bei geschützter Lage in fast allen Klimabereichen unserer Republik

Johannisbeere: wenig anspruchsvoll an Boden und Klima

Stachelbeere: mittlerer bis schwerer, bei reichlich Nährstoffzufuhr auch leichter Boden, empfindlich gegenüber Trockenheit

Himbeere: genügend nährstoffreicher und feuchter Boden, anspruchslos an Klima und Lage

Brombeere: gedeiht in nahezu jedem Boden, bevorzugt aber geschützte Lagen

Weinrebe: tiefgründiger, nährstoffreicher Boden, geschützte, sonnige Lage

Beim Vergleich der Boden- und Klimaansprüche der einzelnen Obstarten wird deutlich, dass nicht alle Standorte gleich gut für den Obstbau geeignet sind. Durch Bodenverbesserung, Windschutzpflanzungen, Bewässerung und andere Maßnahmen besteht jedoch für jeden Gartenfreund die Möglichkeit, die Wachstumsbedingungen so zu gestalten, dass fast alle Arten im Garten ausreichend wachsen und fruchten.

Anzucht der Obstgehölze

Obstgehölze lassen sich nicht sortenecht durch Samen vermehren. Wenn z.B. die Kerne eines Ontarioapfels in den Boden gelegt werden, so kommen dabei in der Regel alle möglichen anderen Äpfel, nur kein Ontarioäpfel heraus. Deshalb ist diese Art der Vermehrung für unsere Obstsorten ungeeignet. Da aber auch eine ungeschlechtliche Vermehrung durch Stecklinge oder Streichhölzer nicht den angestrebten Erfolg bringt, wird bei den meisten Obstarten (mit Ausnahme der Beerensträucher) die Veredlung angewendet.

Wie werden die Obstgehölze veredelt?

Die Verbindung zwischen Unterlage und Edelreis kann auf verschiedene Art und Weise erfolgen. Die gebräuchlichsten Veredelungsarten sind das Okulieren, das Kopulieren, das Geißfußpfropfen, das Pfropfen hinter der Rinde und das Tittelpfropfen.
Das Okulieren, unter dem wir das Einsetzten eines Auges in die Unterlage verstehen, wird am häufigsten angewendet. Die beste Zeit dafür sind die Monate Juli und August. Voraussetzung ist in jedem Falle, dass sich die Rinde der Unterlage gut vom Holz lösen lässt. Die Edereiser, denen die erforderlichen Augen für die Veredelung entnommen werden sollen, müssen kräftig und genügend ausgereift sein. Das Schneiden der Reiser erfolgt kurz bevor sie benötigt werden. Um ihre Verdunstung herab zu mindern, sind sie sofort bis auf ein Zentimeter lange Stiele zu entblättern und in ein feuchtes Tuch einzuschlagen. Die Augen schneidet man unmittelbar vor dem Veredeln. Für diesen Zweck nimmt man ein Edelreis verkehrt herum in die linke Hand, sodass es auf dem gestreckten Zeigefinger zu liegen kommt. Etwa 1,5 bis 2cm unterhalb des ausgewählten Auges setzt man das Messer ein. Nun wird es unter dem Auge hindurch gezogen und der Schnitt etwa 1,5cm oberhalb des Auges beendet. Nachdem das Auge vom Reis getrennt wurde, ist das Holzstreifchen vorsichtig aus dem Rindenschild zu lösen. Unbedingt erforderlich ist das zwar nicht, wer aber ein sicheres Anwachsen erreichen will, sollte die kleine Mühe nicht scheuen. Für das Einsetzen des Auges wählt man eine glatte Stelle am Wurzelhals der Unterlage aus, säubert sie mit einem Lappen und führt an der der Hauptwindrichtung zugekehrten Seite einen Quer- und einen Längsschnitt aus, sodass die Form eines T entsteht. Zu beiden Seiten des Längsschnittes werden dann die Rindenlappen gelöst. Anschließend ist von oben her das Rindenschildchen mit dem Edelauge einzuführen. Der noch heraus ragende Teil des Rindenschildchens wird genau am Querschnitt abgetrennt. Sofort nach dem Einschieben des Auges ist die Veredelungsstelle zu verbinden. Der dafür notwendige Bast oder die Folie wird, von unten beginnend, dicht an dicht fest um die Unterlage gewickelt und verknotet.
Kopulieren und Geißfußpfropfen sind Reisveredlungen, die im Februar/ März durchgeführt werden. Das Pfropfen hinter der Rinde und das Tittelpfropfen erfolgen im April/Mai, sobald sich die Rinde gut vom Holz lösen lässt.
Die Triebe für die Reisveredlungen werden bereits im Dezember oder Anfang Januar geschnitten, bevor strenge Fröste eintreten. Bis zu ihrer Verwendung sind die geschnittenen Edelreiser an einem kühlen, aber frostfreien Ort einzuschlagen, und zwar nur 10cm tief.
Von großer Bedeutung ist bei den Reisveredlungen, dass zum Abschluss der Arbeiten sorgfältiges Verbinden der Veredlungsstelle mit Bast oder Folie und Verstreichen mit Baumwachs erfolgen.  


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