Modellprogramm "Erfahrungswissen für Initiativen"

Die Weitergabe von eigenem Erfahrungswissen spielt bei dem Engagement Älterer eine zentrale Rolle. Denn ältere Menschen verfügen über einen umfangreichen und reichhaltigen Erfahrungsschatz, den sie im Laufe ihres Lebens in den unterschiedlichen Lebensbereichen wie Familie, Beruf, Freundeskreis, sozialen Netzwerken, Freizeit und freiwilligem Engagement gewonnen haben. Dieses Erfahrungswissen stellt eine wichtige persönliche Ressource und einen erheblichen Teil des sozialen Kapitals unserer Gesellschaft dar.

Erfahrungswissen breiter zugänglich und erfahrbar zu machen, ist ein Ziel des Bundesmodellprogramms „Erfahrungswissen für Initiativen" (EFI), das das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Jahr 2002 gestartet hat. Es zielt darauf ab, eine neue Verantwortungsrolle für das Alter zu schaffen und einen Beitrag zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für ein aktives Altern zu leisten. Gleichzeitig sollen die Leistungsfähigkeit älterer Menschen, ihr Beitrag zum gesellschaftlichen Leben sowie ihre Kreativität und Innovationskraft stärker anerkannt werden.

Unter dem Motto „Alt für Jung" soll das Wissen der Älteren gerade auch Jüngeren zugute kommen. Damit wird auch dem veränderten Selbstbild der älteren Generation Rechnung getragen, die sich selbst alles andere als passiv sieht und verhält. Diese Gruppe verstärkt als tragende Säule der Gesellschaft wahrzunehmen, stellt daher schon heute ein wichtiges Ziel dar.

seniorTrainerinnen und seniorTrainer übernehmen Verantwortung für das Gemeinwesen

Im Rahmen dieses Programms werden in Zusammenarbeit mit zehn Bundesländern und 35 Kommunen ältere Menschen zu seniorTrainerinnen und seniorTrainern weitergebildet. Das Interesse an der Tätigkeit als seniorTrainer bzw. seniorTrainerin ist so stark, dass die Bewerberzahl die Ausbildungskapazitäten um ein Vierfaches übersteigt. Die Beurteilung der Kurse durch die seniorTrainer und seniorTrainerinnen ist einhellig positiv und die Freiwilligengruppen, Einrichtungen, Vereine und Verbände für

die seniorTrainer und seniorTrainerinnen tätig geworden sind, äußern sich sehr zustimmend zu diesem Angebot.

Das Modellprogramm spricht Bürgerinnen und Bürger an, die nach ihrem Berufsleben, im Übergang zur nachberuflichen Phase oder nach Beendigung der aktiven Familienphase eine neue Tätigkeit suchen. Zumeist haben sie bereits langjährige Erfahrung im Ehrenamtsbereich. Sie erhalten in eigens für das Programm entwickelten Kursen eine Weiterbildung für Leitungs- und Multiplikatorenfunktionen, in denen sie ihr Erfahrungswissen weitergeben können.

500 Frauen und Männer haben bereits an den Kursen teilgenommen, sie haben über 1.000 Projekte aufgebaut bzw. sind in bestehenden Projekten beratend und begeleitend tätig geworden. SeniorTrainer und seniorTrainerinnen sind in einem breiten gesellschaftlichen Spektrum ehrenamtlich aktiv. Es reicht von der Beratung bereits bestehender Initiativen über die Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen bis hin zu Konfliktmanagement, Gruppenleitung und der Entwicklung und dem Aufbau neuer Projekte.

Einige seniorTrainerinnen und seniorTrainer arbeiten mit Schulen oder Kindergärten zusammen, um beispielsweise Schulabgänger bei der Berufsfindung zu beraten, Bastelwerkstätten zu gründen, Naturerkundungen anzubieten oder die Schüler mit Kunst und Künstlern in Kontakt zu bringen. Andere wiederum engagieren sich im sozialen Bereich und unterstützen Krankenhäuser oder Seniorenheime durch Hospizgruppen, Besuchsdienst und die Beratung von Senioren vor Ort. Diese Beratungsfunktion der seniorTrainerinnen und seniorTrainer lässt sich auf die unterschiedlichsten Bereiche ausdehnen. So schließt diese beispielsweise auch die Beratung von Einrichtungen hinsichtlich ihrer Organisationsstruktur oder die Beratung in Sachen Öffentlichkeitsarbeit ein. Die seniorTrainer und seniorTrainerinnen können die Tätigkeit nach Interesse und Erfahrung frei wählen; einige erschließen neue Betätigungsfelder in der Kommune.

Der Weg zum seniorTrainer bzw. zur seniorTrainerin

Interessierte, die gerne seniorTrainer oder seniorTrainerin werden wollen, wenden sich an örtliche Einrichtungen, z.B. Seniorenbüros, Freiwilligenagenturen, Wissensbörsen und Selbsthilfekontaktstellen. Diese sind auch später für die Vermittlung der ausgebildeten seniorTrainerinnen und seniorTrainer zuständig.

Um seniorTrainerin oder seniorTrainer zu werden, nehmen Interessierte an einem dreistufigen Kursprogramm - drei Kursblöcke ä drei Tagen - teil, das von überörtlichen Bildungseinrichtungen angeboten wird. Das Ausbildungs-Curriculum wurde von der Fachhochschule Neubrandenburg entwickelt, die das Modellprogramm gemeinsam mit anderen Institutionen wissenschaftlich begleitet.

In den Kursen erarbeiten die Kursteilnehmer gemeinsam Zugehensweisen und festigen ihre Schlüsselqualifikationen z.B. in den Bereichen Gesprächsführung, Beratertätigkeit, Öffentlichkeitsarbeit sowie den Aufbau einer Projektgruppe und die Projektplanung. Die Kurse sind kostenfrei. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen allerdings danach für ein Engagement als seniorTrainer und seniorTrainerin zur Verfügung stehen. Hierin werden sie von den örtlichen Anlaufstellen begleitet und unterstützt. Nach dem Kurs erhalten die seniorTrainer und seniorTrainerinnen eine SeniorenEhrenamtsKarte (Seneka). Die Seneka ist Ausweis für die Tätigkeit und bietet den erforderlichen Versicherungsschutz. Zu einzelnen Themenfeldern können Zusatzqualifikationen in Kursen auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene erworben werden.

SeniorKompetenzteams

Die seniorTrainer und seniorTrainerinnen haben sich auf örtlicher Ebene zu selbstorganisierten SeniorKompetenzteams zusammengeschlossen. Sie organisieren den Erfahrungsaustausch über ihre Tätigkeit, beraten über neue Projekte und werben in der Öffentlichkeit für das neue Leistungsprofil „seniorTrainer" bzw. „seniorTrainerin". Sie sind kompetente Ansprechpartnerfür Freiwilligeninitiativen, Einrichtungen, Kommunen, Vereine und Verbände indem sie ihre Fähigkeiten und Kräfte bündeln und sind in vielfältigen Aufgabenbereichen aktiv, um ein lebendiges Gemeinwesen aller Generationen zu fördern. Ziel ist es, dass solche SeniorKompetenzteams als Angebot in möglichst allen Kommunen bereitstehen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.seniortrainer.de und www.bmfsfj.de