Gelenkerkrankungen - Vom Tennisarm zur iPad-Schulter

Durch besondere Belastungen in Beruf und Alltag nehmen Gelenkerkrankungen zu

Die moderne Welt verlangt unseren Gelenken permanent Höchstleistungen ab. Ob neue technische Geräte wie Smartphones und iPads, Trendsportarten wie Marathonläufe oder kleine und große Handwerkerarbeiten im eigenen Zuhause – unsere Gelenke reagieren negativ auf diese Belastungen, entzünden sich, werden krank. Viele schmerzhafte Gelenkerkrankungen entstehen durch Überlastung und können anfangs noch mittels krankengymnastischer Behandlung, Spritzentherapie oder veränderter Handhabung gut behandelt werden. Dauern die Schmerzen jedoch länger als drei Monate an, sprechen Experten von chronischen Gelenkschmerzen. Um diesen vorzubeugen und dem täglichen „Gelenkstress“ frühzeitig Einhalt zu gebieten, gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Dr. Wolfgang Renschler, Sektionsleiter der Klinik für Traumatologie und Unfallchirurgie der Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg, erklärt, was am besten gegen die täglichen Belastungen hilft.

Tennisarm

Der sogenannte Tennisarm – einige sagen auch Tennisellenbogen dazu -  ist wider Erwarten keine Sportverletzung. „Stattdessen ist es eine Überbeanspruchung durch Tastatur- und Mausbenutzung und eine Heimwerkerverletzung, die am häufigsten im häuslichen Umfeld vorkommt. Sie wird durch Fehlhaltungen beim Heimwerken oder immer wieder kehrende einseitige Belastungen im Haushalt ausgelöst“, so der Mediziner. Bis zu neun Prozent der Bevölkerung leiden an dieser Krankheit - mit wachsender Zahl bei zunehmendem Alter. Betroffene klagen anfangs häufig über Schmerzen am Ellenbogen, sobald die Muskulatur am Unterarm oder der Hand belastet werden. „Eine erfolgreiche Therapie sollte exakt auf den Patienten abgestimmt sein. Helfen können physiotherapeutische Maßnahmen, Kälteanwendungen oder auch eine Spritzentherapie. Erst an letzter Stelle sollten operative Maßnahmen stehen.“ Zur Vorbeugung empfiehlt der Experte, einseitige Belastungen zu vermeiden.

Läuferknie

Das Läuferknie ist vor allem unter Langstreckenläufern und Radfahrern gefürchtet. Doch besonders gefährdet sind Nichtläufer, die sich plötzlich an Marathons und Charity-Läufen beteiligen und ihr Training falsch oder vorschnell dosieren. „Das Läuferknie tritt durch Überlastung auf und äußert sich durch Schmerzen und Reizungen an der Außenseite des Knies. Ein Lauftraining und sogar normales Gehen ist dann nicht mehr schmerzfrei möglich.“ Betroffene sollten das Laufen zuerst reduzieren und die gezielten Behandlungsmaßnahmen von einem Orthopäden begleiten lassen. Zur Vorbeugung empfiehlt Dr. Renschler regelmäßige und moderate Trainingseinheiten beim Laufen oder Radfahren und das Tragen von angepasstem Schuhwerk. „Wichtig ist, dass vor jedem Training die Außenseite der Beine gedehnt wird und dass die Trainingseinheiten nur langsam gesteigert werden.“

SMS-Daumen

Das Schreiben von Textmitteilungen per Mobilfunk, das Checken der E-Mails mit dem Handy, Fotos schießen - für die Daumen bedeuten diese oft einseitigen Bewegungen Stress. „Durch die kleinen Bewegungen auf der Miniatur-Tastatur werden die Strecksehnen des Daumens ungewohnt stark beansprucht und antworten mit Schmerzen. Das kann schlimmstenfalls mit einer Sehnenscheidenentzündung enden“, warnt Dr. Renschler. Zu Beginn der Erkrankung können stabilisierende Bandagen oder Stützverbände helfen, den betroffenen Bereich ruhig zu halten. Außerdem sollten Patienten das Tippen auf dem Handy zunächst vermeiden. Bei chronischen Sehnenscheidenentzündungen kommt oft nur eine Operation in Betracht. „Dabei wird das aus Bindegewebe bestehende Strecksehnenfach über einen etwa 2 cm langen Hautschnitt gespalten. Der Eingriff wird ambulant durchgeführt. Nach der Operation kann die Hand sofort frei bewegt werden, eine Schiene ist nicht erforderlich“, so Dr. Renschler. Zur Vorbeugung einer Sehnenscheidenentzündung des Daumens empfiehlt der Mediziner ruhigere und weniger hektische Drehbewegungen beim Tippen von Nachrichten auf dem Handy. Auch eine Entlastung durch mehrere Finger ist sinnvoll:  „Ein-Daumen-Schreiber sollten, wenn technisch möglich lieber zwei Finger verwenden“, so Dr. Renschler.

Ballenzeh

Drastisch zugenommen haben Verformungen der Zehen: Schiebt sich die große Zehe zu den mittleren Zehen und bildet sich gleichzeitig eine Wölbung an der Fußinnenseite, beginnt der sogenannte Hallux valgus, umgangssprachlich auch Ballenzeh genannt. Die Knochen des Fußes werden dabei nicht mehr durch das Muskelkorsett gehalten, sie verrutschen, drücken auf die Nerven und sorgen für Schmerzen. Häufige Ursache ist das Tragen von schlecht angepasstem Schuhwerk oder Schuhen mit zu hoch gelagerten Fußsohlen, die den Zeh in Bedrängnis bringen. Frauen sind deutlich häufiger vom Ballenzeh betroffen als Männer. „Nachtlagerungsschienen und Bandagen können die Schmerzen nehmen und den Zeh wieder in seine natürliche Position bringen, doch ihr Effekt ist begrenzt. Hat sich der Zeh bereits zu stark verformt oder liegt schon eine Arthrose vor, kann nur eine Operation helfen“, so der Experte.

 

iPad-Schulter

Hervorgerufen werden Schulterbeschwerden heute vielmals durch die Nutzung neuer technischer Geräte wie dem iPad.  „Wer einen solchen Tablet-PC nutzt, nimmt automatisch eine andere Sitzhaltung ein als am Schreibtisch vor Computer, Bildschirm und Tastatur“, bemängelt Dr. Renschler. Die stundenlange, tägliche Nutzung der neuen Tablet-PCs zum Lesen von E-Books oder dem Tippen von E-Mails kann unangenehme Schulter- und Nackenschmerzen hervorrufen. „Bei der Haltung mit dem iPad auf dem Schoß wird die Halswirbelsäule unnatürlich weit nach vorne gebeugt. So können Muskeln, Nerven, Sehnen und Bandscheiben im Nackenbereich stark beansprucht werden und mit Muskelverspannungen reagieren.“ Dr. Renschler rät zu 10-15-minütigen Pausen nach jeder halben Stunde Arbeit mit dem Tablet-PC  und zu regelmäßiger sportlicher Betätigung, die den Muskelaufbau an Schulter, Rücken und Nacken gezielt unterstützt.