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» Diffuse Monologe zur Weihnachtszeit. «

von: kypros

15.12.2007 - 18:16 Uhr

Beiträge: 5

» Die Narren der Götter ! «

» Diffuse Monologe zur Weihnachtszeit. «

„Ich glaub es einfach nicht“, sagte Zeus und schüttelte seinen schweren Kopf.
„Sie fangen schon wieder damit an“, dabei wandte er sich zu Jesus, der im Liegestuhl saß und Trauben aß.
„Womit fangen sie schon wieder an“, fragte er und schien völlig unbekümmert an seinen Trauben zu zupfen.
„Sie machen aus dir einen Helden, und gerade eben fangen sie an, deine Geburt zu umjubeln.
Wird wohl das gleiche Schauspiel geben, wie all die Jahre zuvor. Na, wenn das so ist,
dann brauchst du dir keine Gedanken zu machen“.
Dabei streckte er sich genüßlich auf seinem Samtdiwan, und nahm eine bequemere Haltung an.
„Wahrlich“, erwiderte Jesus und legte die Trauben zurück in die Schale.

Er hatte zwar noch gelegentlich Alpträume seiner Kreuzigung wegen, aber ansonsten betrachtete er
die Menschheit in einer eher gelassenen Haltung.
Anders war das bei Mohamed, der fortwährend sein feuriges Schwert in imaginären Kämpfen zum Einsatz brachte.
Auch jetzt wieder hatte er es mit den „Gottlosen“ zu tun, die anscheinend jegliche „Hochachtung“
vor ihm verloren hatten. Sein Schwert fuhr durch die Leiber der Feinde, wobei diese nicht im Geringsten
davon beeindruckt schienen. Sein Schwert war stumpf geworden in all seinen Kämpfen, und Allah,
der ihm gelangweilt zuschaute, brachte es nicht einmal fertig, Applaus zu spenden.

Noch immer fanden die Kämpfe auf Erden statt. Noch immer wurde im Namen Allahs
der Bruder vom Bruder gemordet. Und noch immer wurde der eine Gott damit beauftragt,
dem anderen Gott „den Garaus zu machen“.

Und auf einem anderen Teil der Erde wurde: „Oh du Fröhliche“ gesungen.
Wobei diese Menschen den Zusammenhang mit der Geburt Jesu nicht mehr nachvollziehen konnten.

Ein Hauch von Nostalgie huschte über das Gesicht von Jesus, als er die Bilder in all den Welten sah,
die auf dem riesigen Bildschirm dargeboten wurden.
Zeus fing an zu kichern.
„Na, komm, sei mal ehrlich Jesus. Du denkst doch immer noch an sie.
Sie lieben dich eben. Was willst du dagegen tun? –
Noch mal runter gehen und ihnen die Leviten lesen“?

„Bin ich vielleicht wahnsinnig? Noch ein Mal ans Kreuz geschlagen werden?
„Verfolgt und gedemütigt zu werden ist nicht mein Auftrag.
Also bitte, laß solche Gedanken ruhen. Ich habe genug für sie getan."

Jesus verfolgte mit beiläufigem Interesse die Geschehnisse auf der Erde und sah,
was Jahrhunderte ihm nicht verheimlichen konnten.
Propheten kamen – Propheten gingen. Die Einen still und leise, die Anderen wurden eines gewaltsamen Todes
ins Jenseits befördert. Sie alle brachten die „frohe Botschaft“.

„Schau dir doch diesen Schwachsinn da unten an!“ – rief er Zeus zu,
als die Bilder in schneller Folge vor ihnen vorüber zogen.
„Und du glaubst doch nicht im Ernst daran, daß ich noch einmal so ein Trauerspiel wiederhole? – oder wie?“

Geologen und Vulkanologen waren gleichermaßen erstaunt, als in verschiedenen Teilen des Globusses
sich gleichzeitig Naturkatastrophen ereigneten.

Jesus hatte mit der Faust auf den Tisch gehauen und Energiewellen in Bewegung gesetzt,
die die Erde unmittelbar erreichten.
Überrascht durch diese Wirkung machte er die Augen bedenklich schmal und sagte sehr langsam:

„Vielleicht sollte ich tatsächlich noch einmal da unten in Erscheinung treten!
Sie haben es nicht anders verdient. Diese Heuchler und Lügner!
Verdrehen einfach meine Worte, so, wie es ihnen gerade paßt!

Zeus sagte nichts. Nur ein „Oho“ mit hochgezogenen Augenbraun war seine Antwort.
Mohamed kam zu ihnen, knallte sein Schwert auf den Tisch und schaute Jesus grimmig an.
„Was machst du da schon wieder?“
„Wenn ich mir so etwas leiste, dann heißt es gleich: »Sei doch nicht so nachtragend! «“

Zeus fing an zu lachen. Selbst Buddha, der nun ebenfalls erschienen war, um nachzuschauen,
was denn vorgefallen sei, konnte seinen großen Bauch kaum noch vor Lachen unter Kontrolle halten.

„Willst du wirklich – wieder da hinunter?“ – fragte Buddha mit sanfter Stimme und schaute etwas besorgt Jesus an.
„Wahrlich ! – gerade eben war mir danach, ihnen nochmals die „Frohe Botschaft“ ins Gehirn zu pflanzen.
Ja, ich sollte es – wahrlich – nochmals ins Auge fassen.
Diesen Heuchlern und Lügnern zeigen, wer mein Vater in Wirklichkeit ist.

„Gut, sagte Mohamed, dann verrate uns doch bitte, in welchem Jahrhundert gedenkst du,
dort untern wieder zu erscheinen – falls du jemals den Entschluß fassen solltest,
dieses ganze Theater noch einmal zu inszenieren?“

„Götterspeiessung!“ – kam die liebliche Stimme aus dem Hintergrund, die alle kannten.
Hera sang die Worte eher, als das sie sie aussprach.

„Nun denn…“ sagte Zeus und erhob sich etwas schwerfällig aus seinem Diwan.
Mohamed nahm wieder sein Schwert und Jesus band seine Sandalen neu, nachdem er festgestellt hatte,
das sich beim Aufstampfen vor Wut, die Bänder gelöst hatten.
Buddha legte seinen Arm um Jesus und lächelte freundlich, wie ein kleines Kind.
„Iß was, dann fühlst du dich gleich besser!“

Eine, von den Abermillionen Sonnen, ging langsam unter im Reich der Götter,
als Hera gekonnt zu Tische bat.

Kypros
2007-12-12

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