Initiative "Wirtschaftsfaktor Alter"

Bundesminister von der Leyen und Glos: "Deutschland soll Weltmarktführer für generationengerechte Produkte werden"

Kabinett beschließt Eckpunkte zur Initiative "Wirtschaftsfaktor Alter"


Die Bundesregierung will die ökonomischen Chancen des demografischen Wandels besser nutzen und gleichzeitig die Lebensqualität älterer Menschen verbessern.
Die heute von Bundesseniorenministerin Ursula von der Leyen und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos im Bundeskabinett vorgestellte Initiative "Wirtschaftsfaktor Alter" soll die Entwicklung neuer für alle Generationen attraktiver Produkte und Dienstleistungen beschleunigen und Impulse für den zukunftsträchtigen Markt für Seniorinnen und Senioren setzen. Die gemeinsam vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gestartete Initiative verbindet Senioren-, Wirtschafts- und Verbraucherpolitik. Weitere Bundesministerien wollen sich einbringen.

Bundesministerin Ursula von der Leyen: "Die ältere Generation verfügt über eine enorme Nachfragekraft. Jeder dritte Euro, der heute in Deutschland privat ausgegeben wird, stammt aus dem Portemonnaie eines Menschen über 60 Jahre.
Seniorinnen und Senioren sind jedoch kritische Konsumenten mit besonderen
Wünschen: Technische Geräte sollen einfach zu bedienen, Dienstleistungen und Hilfen im Haushalt müssen auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sein. Gekauft wird, was praktisch ist, den Alltag erleichtert und hilft, bis ins hohe Alter selbständig zu leben. Wir wollen im engen Austausch mit der Wirtschaft sowie den
Senioren- und Verbraucherverbänden ältere Menschen in ihrer Rolle als selbstbewusste Konsumenten stärken. Wenn wir heute Produkte und Dienstleistungen voranbringen, die allen Generationen nutzen und gefallen, hat Deutschland mit seiner schnell alternden Gesellschaft die große Chance, Standards zu setzen und zum Weltmarktführer für generationengerechte Produkte aufzusteigen, bevor Wettbewerber im Ausland die Marktlücken schließen."

Bundesminister Michael Glos: "Ältere Menschen sind von immer größerer Bedeutung für die Wirtschaft. Die Initiative der Bundesregierung setzt auf die aktive Teilnahme älterer Menschen am Wirtschaftsleben als Verbraucherinnen und Verbraucher sowie als Unternehmerinnen und Unternehmer. Wir wollen insbesondere kleinen und mittelständischen Unternehmen helfen, ihr Angebot an Gütern und Dienstleistungen noch gezielter auf den Bedarf und das Konsumverhalten von Älteren auszurichten. Gleichzeitig wollen wir ältere Menschen ermuntern, den Weg in die Selbständigkeit zu wagen und weiterzugehen."

Die wichtigsten Eckpunkte zur Initiative "Wirtschaftsfaktor Alter":

Auf einer neuen bundesweiten Plattform können Unternehmen, Experten und Senioren- und Verbraucherorganisationen kontinuierlich Erfahrungen und Ideen austauschen.
Ziele sind eine stärkere Einbindung der Expertise älterer Menschen sowie bessere Produkte, die allen Generationen nutzen und gefallen.

  • Branchenübergreifende Regionalforen werden gezielt kleine und mittlere Unternehmen auf die Chancen des Seniorenmarkts aufmerksam machen.

  • Um die Zahl von Unternehmensgründungen durch ältere Menschen zu steigern, sollen passgenaue Informations- und Weiterbildungsangebote in Kooperation mit den Kammern und Bildungseinrichtungen sowie

  • eine Sammlung von "Best Practice"-Beispielen erfolgreicher Existenzgründer sollen Seniorinnen und Senioren mit guten Geschäftsideen Mut für den Sprung in die Selbständigkeit machen.

Deutschland soll Vorreiter für "Generationenübergreifendes Design" werden.

  • Ein Kompetenznetzwerk "Universal Design" sammelt Informationen und Wissen zu Fragen der Produktgestaltung.

  • Designwettbewerbe an Hochschulen sollen Inspiration für künftige Produkte und Verpackungen liefern, die für Menschen jeden Alters attraktiv und handhabbar sind.

  • Eine Wanderausstellung für die breite Öffentlichkeit wird besonders gelungene Produkte und Ideen für generationengerechte Gestaltung präsentieren.

Ältere Verbraucherinnen und Verbraucher sollen es einfacher haben, Produkte und Dienstleistungen zu erkennen, die auf Ihre Wünsche und Bedürfnisse Rücksicht nehmen.

  • Die Bundesregierung prüft, ob ein zentrales Gütesiegel für generationengerechte Produkte älteren Menschen eine Orientierung beim Einkauf bieten und gleichzeitig Anreize für die Entwicklung geeigneter Produkte setzen kann.

  • Infomaterialien wie von Fachleuten erstellte Checklisten sollen älteren Verbraucherinnen und Verbrauchern helfen, benutzerfreundliche Produkte und Dienstleistungen leichter aus dem Angebot herauszufinden.

Vom Austausch der Wirtschafts-, Senioren- und Verbraucherverbände unter dem Dach der Jahresende 2010 terminierten Initiative "Wirtschaftsfaktor Alter" profitieren alle. Ältere Verbraucherinnen und Verbraucher erhalten einen Kanal, über den sie ihre Wünsche und Probleme im alltäglichen Umgang mit Produkten und Dienstleistungen zielgerichtet an Hersteller und Handel weitergeben können.
Unternehmen haben die Chance, die eingebrachten Kompetenzen und Erfahrungen älterer Menschen in ihre Entwicklungs- und Vermarktungsprozesse einzubeziehen und damit das Risiko von Fehlinvestitionen deutlich zu mindern.

Eine eigene Geschäftsstelle soll die Initiative "Wirtschaftsfaktor Alter" bis Ende 2010 koordinieren. Das Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft (RKW) unterstützt die Initiative im Bereich der Maßnahmen für kleine und mittlere Unternehmen.

Daten und Fakten zum Thema:

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat für die Generation der über 60-Jährigen eine Kaufkraft von über 316 Milliarden Euro ermittelt. Jeder dritte Euro des privaten Konsums wird von älteren Kundinnen und Kunden ausgegeben.
Dieser Anteil wird bis zum Jahr 2050 auf über 40 Prozent steigen. Ältere Haushalte sind konsumfreudiger als oftmals angenommen. Die Haushalte der 65- bis 75-Jährigen haben bereits heute mit rund 84 Prozent die höchste Konsumquote aller Altersgruppen. Zu den Bereichen, in denen die Älteren überdurchschnittlich viel zum Konsum beitragen, zählten aktuell neben der Gesundheitspflege mit rund 50 Prozent, auch die Ausgaben für Wohnen und Freizeit.

Quelle:
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend,
Pressemitteilung Nr. 281/2008 vom 23.04.2008