Prostatakrebs - daVinci-Methode - Marathonlauf

Der lange Lauf  gegen den Krebs

Prostatakrebspatient Klaus Ritter läuft am kommenden Sonntag den Freiburger Halbmarathon – danach den Hamburg-Marathon

Offenburg, 26. März 2012 – Selbst noch bei der Gewebeentnahme hielt Klaus Ritter die Diagnose für ausgeschlossen. Er war topfit, schlank, voller Energie – und es traf ihn trotzdem: Prostatakrebs. Heute, eineinhalb Jahre später, trainiert Ritter für den Hamburg-Marathon. Er möchte sich und anderen beweisen, dass man dem Krebs davonlaufen kann.

Im Marathon-Fieber

Bevor Ritter sich am 29. April an die 42 Kilometer wagt, läuft er am kommenden Sonntag, den 1. April, den Freiburger Halbmarathon. Der Halbmarathon ist Teil seines intensivierten Aufbautrainings über zehn Wochen, bei dem ihm die Sportmedizin des Ortenau Klinikums in Gengenbach mit Leistungsdiagnostik und sportorthopädischer Untersuchung zur Seite steht. Ritter läuft bereits seit zehn Jahren. Der Hamburg-Marathon, den er kurz vor seinem 60. Geburtstag laufen wird, ist sein bisher erster. Kurz nach seiner Krebserkrankung ist das ein besonders ambitioniertes Projekt.

Prostatakrebs: häufigste Krebsart bei Männern

Im Dezember 2010 hatte Ritter noch andere Sorgen. Der Hausarzt entdeckte bei ihm überraschend ein Prostatakarzinom. Diese Diagnose trifft jedes Jahr etwa 60.000 Männer in Deutschland. Nach Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums ist das Prostatakarzinom der häufigste Tumor bei Männern, noch vor Lungen- und Darmkrebs. Betroffen sind meist Männer ab 45 Jahren. Wird der Krebs jedoch frühzeitig erkannt, bestehen gute Heilungschancen. Ritters Arzt empfahl dem damals 58-Jährigen eine sogenannte „radikale Prostatektomie“, eine operative Entfernung des Karzinoms. Obwohl der Arzt zu einer herkömmlichen Bauchschnitt-Operation riet, blieb Ritter skeptisch. Zu groß war ihm das Risiko, seine Potenz zu verlieren oder inkontinent zu werden.

Die daVinci-Methode

Im Internet stieß er auf eine Alternative: Die daVinci-Methode, ein hochmodernes Operationsverfahren bei Prostatakrebs, das in den meisten Kliniken in den USA bereits Alltag ist. Das daVinci Operationssystem vereint Computer- und Roboter-Technologie: Der Arzt bedient über eine Roboterplattform miniaturisierte Instrumente und blickt dabei in eine 3D-Kamera, die ihm einen hochauflösenden Blick in das Innere seines Patienten bietet. Mit der so gewonnenen Präzision beim Operieren können die Ärzte vom Krebs unbeeinträchtigtes Gewebe schonen, etwa Erektionsnerven und den Schließmuskel der Harnröhre. Die Urologische Fachklinik des Ortenau Klinikums in Offenburg setzt als einziges Krankenhaus in Südbaden zur Behandlung des Prostatakarzinomzentrums auf das daVinci Operationsverfahren.

Sanftes Operieren

Ritter entschied sich bewusst für das spezialisierte Prostatakarzinomzentrum des Ortenau Klinikums in Offenburg. Am 14. Dezember 2010 fand dort seine ca. 2,5 Stunden andauernde Operation statt. Prostataoperationen werden vielfach noch herkömmlich über einen Bauch- oder Dammschnitt ausgeführt. Die daVinci-Methode benötigt dagegen nur fünf winzige Einschnitte in der Bauchdecke. Zu den Vorteilen dieser „minimalinvasiv“ genannten Chirurgie sagt Privatdozent Dr. Jörg Simon, Leiter des Prostatakarzinomzentrums und Chefarzt der Urologie am Ortenau Klinikum in Offenburg: „Dazu zählen beispielsweise geringere Schmerzen, geringerer Blutverlust, Potenzerhalt, falls dieser von den medizinischen Kriterien möglich ist, frühzeitige Kontinenz und schnellere Eingliederung in den Alltag.“ So erholen sich Patienten von einer Operation mit dem daVinci-System schneller wieder und auch der Krankenhausaufenthalt kann im Vergleich zur offenen Operation meist um einige Tage verkürzt werden. Viele Patienten sind schon am Abend der OP erstmals wieder auf den Beinen. Auch Klaus Ritter ist im Nachhinein froh über seine Wahl: „Bei der Operation blieben alle Funktionen erhalten. Meine Entscheidung für die daVinci-Methode und Herrn Dr. Simon war genau richtig.“ 

Foto von Herrn Ritter und Dr. Simon - Prostatakrebs

Dem Krebs davon laufen

Was außerhalb der Behandlung geschah, nahm Ritter selbst in die Hand – mit seiner Allzweckwaffe, dem Laufen. Er blieb ständig in Bewegung, nutzte etwa die Treppen im Krankenhaus anstelle des Aufzugs. In den drei Wochen Reha im Anschluss an die OP verdoppelte er die Bewegungseinheiten, die man den Patienten empfahl. In der dritten und letzten Woche der Reha trainierte er täglich 1,5 bis 2 Stunden im Wechsel langsames Joggen – schnelles Laufen. „Durch Laufen lernt man, in seinen Körper hinein zu hören, Selbstvertrauen in sich und seinen eigenen Körper aufzubauen und vor allem Angst abzubauen, dass der Krebs wieder kommt“, so Ritter. Viele Mitpatienten schüttelten darüber den Kopf. „Däumchen drehen und leiden – das hilft niemandem. Ich war mir sicher, dass ich mit dem Sport etwas für mich tun kann.“ Ritters schnelle Genesung spricht für sich.

Sport nimmt Ängste

Sport dient nicht nur der Vorbeugung von Krebs, sondern hilft Studien zufolge auch während einer Krebserkrankung. Sport stoppt den Muskelabbau, den das viele Liegen bedingt, stärkt das Herz-Kreislaufsystem und das Immunsystem. Der Körper kann auftanken für den Kampf gegen den Krebs. Psychisch hilft es dem Patienten, Ängste zu nehmen und Phasen depressiver Stimmung zu senken. Der Sport muss aber richtig dosiert sein, um geschwächte Patienten nicht aus der Bahn zu werfen. In Absprache mit dem Arzt sollte im Einzelfall über die Sporttauglichkeit und die Intensität des Trainings entschieden werden.

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