Ohne Skalpell zu mehr Lebensqualität gelangen

Anfangs zwickte es nur ab und zu im Rücken, doch inzwischen lassen sich die Schmerzen nur noch mit starken Medikamenten ertragen. Diese Leidensgeschichte berichten viele Orthopädie-Patienten. Wenn der Schmerz zum ständigen Begleiter wird, sind die Betroffenen verzweifelt und wünschen sich schnelle und nachhaltige  Hilfe. Häufig scheint eine Operation unausweichlich. Doch es geht auch anders: Durch eine konservative akut-orthopädische Behandlung kann in vielen Fällen vermieden werden, dass das Skalpell zum Einsatz kommt.

Sektion für Akut-Orthopädie an der Klinik in Jugenheim eingeführt

Deshalb haben die Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg am Standort Jugenheim nun eine neue Abteilung für konservative Akut-Orthopädie gegründet. „Bei uns werden verschiedene therapeutische Maßnahmen ganzheitlich zusammengeführt. Diese können helfen, orthopädische Operationen hinauszuzögern oder sogar ganz zu vermeiden“, erklärt Dr. med. Hanns-Edgar Hoffart, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Traumatologie der Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg. „Wir wollen hierzu auch die Erkenntnisse der Sportmedizin in unser Behandlungskonzept einbringen, um so ein optimal funktionales Behandlungsergebnis zu erzielen.“ Gemeinsam mit seinem Oberarzt und Sportwissenschaftler Dr. Christian Conrad setzt er in Jugenheim dieses multimodale Behandlungskonzept künftig in die Tat um. Darüber hinaus wird sein Therapeutenteam durch Psychologen, Osteopathen und sogar einen Spezialisten für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) unterstützt.

Foto von Dr. Hoffart

Ziel: Operationen vermeiden –  den Menschen als Ganzes betrachten

Zu dem neuen Angebot gehören vor allem sanfte Methoden wie die manuelle Therapie, spezielle Krankengymnastik sowie die medizinische Trainingstherapie.

„Am Anfang jeder Behandlung steht zunächst eine intensive Diagnosephase, in der Körperhaltung, Bewegungsabläufe und Störungen in der Bewegungskoordination analysiert werden. Somit wird eine sichere Grundlage für die anschließenden therapeutischen Maßnahmen geschaffen“, so Dr. Hoffart. „Daneben nimmt die Ursachenforschung im psychologischen und psychosomatischen Bereich einen wichtigen Platz in der Diagnostik ein. Denn: eine genaue Diagnose ist oft nur durch eine ganzheitliche Betrachtung der Patienten möglich.“

Alternative Behandlung akuter Krankheitsbilder

Die neue Abteilung ist auf akute Krankheitsbilder spezialisiert, nicht auf Rehabilitationsmaßnahmen, wie Dr. Hoffart betont. „Unser Ziel ist es, den Patienten Alternativen zu einer Operation aufzuzeigen und sie auf diesem Weg zu begleiten. Unser Team aus Ärzten, Therapeuten und Psychologen arbeitet interdisziplinär zusammen, um die Lebensqualität unserer Patienten zu verbessern und sie im besten Fall von ihren Schmerzen zu befreien“, sagt der Orthopädie-Experte. „Ein individuelles Behandlungskonzept soll unseren Patienten helfen, den Therapieerfolg auch nach der stationären Phase langfristig zu sichern.“

Behandlung von Funktionsstörungen künstlicher Gelenke

Ein weiterer Schwerpunkt der neuen Abteilung wird die Behandlung von Patienten sein, die über Funktionsstörungen ihrer künstlichen Gelenke klagen. „Mit der konservativen Akut-Orthopädie können wir alternative Behandlungen zur immer größer werdenden Zahl von Revisionseingriffen beziehungsweise drohenden Wechseloperationen anbieten“, betont Dr. Hoffart. Die Abteilung für Akutorthopädie stellt somit eine wertvolle Ergänzung zum bestehenden Angebot der Orthopädie in  Jugenheim dar, das ebenfalls weiter ausgebaut wird. „Wir wollen die Lücken in der konservativ-orthopädischen Behandlung füllen, die nach dem Zusammenschluss der Orthopädie und der Unfallchirurgie vielerorts entstanden sind“, sagt Dr. Hoffart. Dazu ist die Klinik in Jugenheim der bundesweiten „Arbeitsgemeinschaft nicht operativer orthopädischer Akut-Kliniken“ beigetreten (ANOA), einer Interessengemeinschaft von derzeit knapp 20 Kliniken, die sich die konservative Behandlung akuter Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates auf die Fahne geschrieben hat.

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