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Obst-Anbau

Auswahl der Obstarten für Garten - Frischobst für das ganze Jahr

Keinem Gartenfreund ist es wohl gleichgültig, welche Obstgehölze in seinem Garten stehen. Er wird gewiss nur wenig Freude an seinen Beständen haben, wenn nur eine Art vorhanden ist, oder alles zur selben Zeit reift. Deshalb will die Auswahl der Obstgarten wohl überlegt sein. Am zweckmäßigsten ist es immer, davon auszugehen, dass die Familie nicht nur in einem kurzen Zeitraum, sondern das ganze Jahr über mit frischem Obst versorgt sein will. Deshalb sollten möglichst in jedem Garten alle wichtigen Obstgarten vorhanden sein, angefangen von den Erdbeeren und Beerensträuchern über die Sauerkirschen, Pflaumen und Pfirsiche bis hin zu den Birnen und Äpfeln in unterschiedlich reifenden und vor allem lagerfähigen Sorten. Nur für Süßkirschen und Walnüsse gibt es Einschränkungen. Die Bäume werden im Umfang zu groß und gehören deshalb nicht in den Kleingarten. In Hausgeräten mit 600 oder mehr Quadratmetern Fläche dagegen sind Süßkirschen und vielleicht auch ein Walnussbaum im Bereich des Hauses durchaus am Platze.

Ansprüche der Obstarten an den Standort

Bei der Auswahl der Arten für den Klein- und Hausgarten spielt neben dem Bedarf der Familie und des Handels auch der Standort eine wichtige Rolle. Es ist z.B. wenig sinnvoll, auf feuchten, anmoorigen Böden eine Schattenmorelle zu pflanzen, die dann garantiert Gummifluss bekäme oder in rauen Gebirgslagen einen Pfirsich zu pflanzen, der hier beim ersten kalten Winter eingehen würde.

Im einzelnen stellen die Obstarten folgende Ansprüche an den Standort:

  • Apfel: mittlerer bis schwerer, durchlässiger, genügend feuchter Boden; nicht zu trockene, exponierte Lage

  • Birne: nährstoffreicher, durchlässiger, nicht zu leichter und zu trockener Boden; warme, eher trockene als zu feuchte Lage

  • Quitte: nährstoffreicher, nicht zu trockener Boden; warme, geschützte Lage

  • Süßkirsche: lockerer, tiefgründiger nicht zu nasser Boden; sonnige warme Lage

  • Sauerkirsche: im allgemeinen wenig anspruchsvoll; nur zu schwere und zu feuchte Böden sind ungeeignet

  • Pflaume und Zwetschge: mittlerer, humoser, genügend feuchter Boden

  • Pfirsich: leichter bis mittlerer, durchlässiger, warmer Boden; geschützte, warme Lage; in ungünstigen Gebieten starke Frostgefährdung

  • Aprikose: mittlerer, kalkreicher Boden; sonnige, warme Lage; auf nicht zusagenden Standorten große Ausfälle durch Frost

  • Haselnuss: wenig anspruchsvoll, nur zu leichte und zu trockene Böden sagen ihr nicht zu

  • Walnuss: im allgemeinen nicht so anspruchsvoll wie oft angenommen wird, nur besonders frostgefährdete Gebiete und Böden mit zu hohem Grundwasserstand sind für den Anbau ungeeignet

  • Erdbeere: gedeiht in allen kulturfähigen, schwachsauren Gartenböden und bei geschützter Lage in fast allen Klimabereichen unserer Republik

  • Johannisbeere: wenig anspruchsvoll an Boden und Klima

  • Stachelbeere: mittlerer bis schwerer, bei reichlich Nährstoffzufuhr auch leichter Boden, empfindlich gegenüber Trockenheit

  • Himbeere: genügend nährstoffreicher und feuchter Boden, anspruchslos an Klima und Lage

  • Brombeere: gedeiht in nahezu jedem Boden, bevorzugt aber geschützte Lagen

  • Weinrebe: tiefgründiger, nährstoffreicher Boden, geschützte, sonnige Lage

Beim Vergleich der Boden- und Klimaansprüche der einzelnen Obstarten wird deutlich, dass nicht alle Standorte gleich gut für den Obstbau geeignet sind. Durch Bodenverbesserung, Windschutzpflanzungen, Bewässerung und andere Maßnahmen besteht jedoch für jeden Gartenfreund die Möglichkeit, die Wachstumsbedingungen so zu gestalten, dass fast alle Arten im Garten ausreichend wachsen und fruchten.

Anzucht der Obstgehölze

Obstgehölze lassen sich nicht sortenecht durch Samen vermehren. Wenn z.B. die Kerne eines Ontarioapfels in den Boden gelegt werden, so kommen dabei in der Regel alle möglichen anderen Äpfel, nur kein Ontarioäpfel heraus. Deshalb ist diese Art der Vermehrung für unsere Obstsorten ungeeignet. Da aber auch eine ungeschlechtliche Vermehrung durch Stecklinge oder Streichhölzer nicht den angestrebten Erfolg bringt, wird bei den meisten Obstarten (mit Ausnahme der Beerensträucher) die Veredlung angewendet.

Veredelung von Obstgehölzen

Die Verbindung zwischen Unterlage und Edelreis kann auf verschiedene Art und Weise erfolgen. Die gebräuchlichsten Veredelungsarten sind das Okulieren, das Kopulieren, das Geißfußpfropfen, das Pfropfen hinter der Rinde und das Tittelpfropfen.

Das Okulieren, unter dem wir das Einsetzten eines Auges in die Unterlage verstehen, wird am häufigsten angewendet. Die beste Zeit dafür sind die Monate Juli und August. Voraussetzung ist in jedem Falle, dass sich die Rinde der Unterlage gut vom Holz lösen lässt.

Die Edereiser, denen die erforderlichen Augen für die Veredelung entnommen werden sollen, müssen kräftig und genügend ausgereift sein. Das Schneiden der Reiser erfolgt kurz bevor sie benötigt werden. Um ihre Verdunstung herab zu mindern, sind sie sofort bis auf ein Zentimeter lange Stiele zu entblättern und in ein feuchtes Tuch einzuschlagen. Die Augen schneidet man unmittelbar vor dem Veredeln. Für diesen Zweck nimmt man ein Edelreis verkehrt herum in die linke Hand, sodass es auf dem gestreckten Zeigefinger zu liegen kommt. Etwa 1,5 bis 2cm unterhalb des ausgewählten Auges setzt man das Messer ein. Nun wird es unter dem Auge hindurch gezogen und der Schnitt etwa 1,5cm oberhalb des Auges beendet. Nachdem das Auge vom Reis getrennt wurde, ist das Holzstreifchen vorsichtig aus dem Rindenschild zu lösen. Unbedingt erforderlich ist das zwar nicht, wer aber ein sicheres Anwachsen erreichen will, sollte die kleine Mühe nicht scheuen.

Für das Einsetzen des Auges wählt man eine glatte Stelle am Wurzelhals der Unterlage aus, säubert sie mit einem Lappen und führt an der der Hauptwindrichtung zugekehrten Seite einen Quer- und einen Längsschnitt aus, sodass die Form eines T entsteht. Zu beiden Seiten des Längsschnittes werden dann die Rindenlappen gelöst. Anschließend ist von oben her das Rindenschildchen mit dem Edelauge einzuführen.

Der noch heraus ragende Teil des Rindenschildchens wird genau am Querschnitt abgetrennt. Sofort nach dem Einschieben des Auges ist die Veredelungsstelle zu verbinden. Der dafür notwendige Bast oder die Folie wird, von unten beginnend, dicht an dicht fest um die Unterlage gewickelt und verknotet.

Kopulieren und Geißfußpfropfen sind Reisveredlungen, die im Februar/ März durchgeführt werden. Das Pfropfen hinter der Rinde und das Tittelpfropfen erfolgen im April/Mai, sobald sich die Rinde gut vom Holz lösen lässt.

Die Triebe für die Reisveredlungen werden bereits im Dezember oder Anfang Januar geschnitten, bevor strenge Fröste eintreten. Bis zu ihrer Verwendung sind die geschnittenen Edelreiser an einem kühlen, aber frostfreien Ort einzuschlagen, und zwar nur 10cm tief.

Von großer Bedeutung ist bei den Reisveredlungen, dass zum Abschluss der Arbeiten sorgfältiges Verbinden der Veredlungsstelle mit Bast oder Folie und Verstreichen mit Baumwachs erfolgen.