« 5. Die Herzübung 7. Die Stirnübung »

6. Die Leibübung

Mit der Leibübung nähern wir uns dem Ende der Unterstufe des Autogenen Trainings. Nachdem die Extremitäten, die Atmung und das Herz durch die Konzentration auf entsprechende Formelvorsätze angesprochen wurden, fehlen noch die inneren Organe des Verdauungssystems, die Leiborgane. Zusammenhänge zwischen den Leiborganen und den Zuständen der Anspannung und Entspannung sind aus dem Alltag in großer Zahl bekannt. Man kennt „Situationen“ oder „Menschen“, die „einem auf den Magen schlagen“. Nicht nur Kinder „machen manchmal vor Angst in die Hose“. Sprichwörter und Werbesprüche stellen ebenfalls entsprechende Zusammenhänge her („Voller Bauch studiert nicht gerne“ etc.). Im Autogenen Training wird die Entspannung der Leib- und Verdauungsorgane durch die Leibübung angestrebt.

An zentraler Stelle im Oberbauch (etwa in der Mitte zwischen Nabel und unterem Ende des Brustbeins in der Körpertiefe) liegt der Solar plexus. Der Solar plexus ist eine der wichtigsten Schaltstellen des vegetativen Nervensystems und steuert die Verdauungsorgane. Die deutsche Bezeichnung des Solar plexus lautet „Sonnengelecht“. Der Formelsatz lautet daher:

Das Sonnengeflecht ist strömend warm

oder

Der Leib ist strömend warm

Die zweite Formelalternative wurde in den letzten Jahren entwickelt, weil es augenscheinlich heute mehr Menschen gibt, die – im Unterschied zu früher – mit dem Begriff des Sonnengeflechts nicht anfangen können. Dabei vermittelt der deutsch Begriff des Solar plexus eigentlich eher als der des Leibes Gefühle der angenehmen, strömenden Wärme. In der Regel entscheiden sich aber Teilnehmer an Einführungskursen zum Autogenen Training spontan für eine der beiden Formelvorsätze. Wichtig ist dann nur, dass man auch auf Dauer dabei bleibt.

Die mit der Leibübung angezielte Regulierung der Bauchorgane benötigt zumeist etwas mehr Übung als die anderen Formelvorsätze des Autogenen Training. Effekte zeigen sich in Wärmeempfindungen für den Bauch und/ oder in Gefühlen von Bauch- oder Organbewegungen. Die Entspannung der Bauchorgane äußert sich in Bauchgrummeln, -knurren oder –gluckern, oder abgehenden Blähungen. Für die Teilnehmer heutzutage ist dies zu Beginn etwas unangenehm. Durch die Aktivierung des Parasympathikus wird nämlich nicht nur die Entspannung gefördert, sondern auch die Verdauung angeregt (wie auch beim Schlafen), was zu entsprechenden Bewegungen der Organe und Därme mit den Begleitgeräusch führt. Noch vor wenigen Jahrhunderten galten entsprechende Geräusche als Anzeichen des Wohlergehens und wurden sozial positiv bewertet.

 

Zu den anderen Grundübungen >>

« 5. Die Herzübung 7. Die Stirnübung »