Keratoprothese zur Wiederherstellung des Sehvermögens

Das Ortenau Klinikum gibt Betroffenen durch spezielle Implantationstechnik neue Hoffnung

        

Offenburg, Oktober 2011.

Für Menschen mit schweren Hornhauterkrankungen ist es oftmals die letzte Möglichkeit, das Augenlicht zu retten: Der Einsatz einer sogenannten Keratoprothese, bei der die Hornhaut des Auges durch ein spezielles, aus dem eigenen Zahn gewonnenes Implantat ersetzt wird. Nur wenige Kliniken auf der Welt sind in der Lage, diese hoch innovative Behandlungsmethode anzuwenden. In Deutschland ist die Augenklinik am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach unter der Leitung von Chefarzt Privatdozent Prof. h.c. (Twer) Dr. Konrad Hille die einzige Einrichtung, die diesen speziellen Eingriff vornimmt.


Hornhaut: Das Fenster des Auges

Die Hornhaut ist der von Tränenflüssigkeit befeuchtete, vordere Teil der äußeren Augenhaut.

Schaubild zur Keratoprothese

(Achtung: Zum Vergrößern bewegen Sie bitte die Maus über die Abbildung)

Die Hornhaut ist gewissermaßen das Fenster des Auges, da durch sie das Licht fällt. Ist die Hornhaut schwer erkrankt, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten – wie beispielsweise eine Hornhautverpflanzung. In seltenen Fällen ist dies jedoch nicht möglich. Letzte Möglichkeit ist dann eine so genannte Osteo-Odonto-Keratoprothese („Zahn-Knochen-Prothese“). Darunter versteht man den Ersatz der Hornhaut durch ein Implantat aus eigenem Zahn- und Knochenmaterial mit einer Linse aus Plexiglas. „Bei schweren Hornhauterkrankungen, die durch eine klassische Transplantation nicht mehr behandelt werden können, ist dies die letzte, aber vielversprechendste Möglichkeit, Patienten ihr Sehvermögen zurückzugeben“, so Prof. h.c. Dr. Konrad Hille, Chefarzt der Augenklinik am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach. Prof. h.c. Hille gehört zu den führenden Experten auf dem Gebiet dieser überaus komplexen Operationsmethode, mit deren Hilfe die verloren gegangene Sehkraft wiederhergestellt werden kann. Etwa fünf bis sechs Operationen dieser Art führt der Experte mit seinem Team jedes Jahr durch. „Das ist auf den ersten Blick recht wenig – für den einzelnen Betroffenen ist das Operationsverfahren jedoch überaus wichtig und stellt eine große Chance dar“ betont Prof. h.c. Hille.


Die Keratoprothese – oft letzte Hoffnung bei schweren Augenerkrankungen

Für gutes Sehen ist eine klare und regelmäßige Hornhaut erforderlich, die das Auge als durchsichtige Schicht nach außen abschließt. Bei Erkrankungen der Oberfläche des Auges kann es zu Trübungen der Hornhaut kommen, weshalb  auf der Nervenzellschicht kein klares Bild mehr entsteht. „Normalerweise genügt in diesen Fällen der Austausch der getrübten Hornhaut, um die Sehschwäche zu korrigieren“, so Prof. Hille. Allerdings gibt es schwere Erkrankungen, bei denen eine solche Hornhautverpflanzung nicht erfolgversprechend ist. Dies sind zum Beispiel Verätzungen oder Verbrennungen der Augenoberfläche, aber auch andere Erkrankungen wie schwere Entzündungen, bei denen die normale Benetzung des Auges mit Tränenflüssigkeit unterbleibt. In diesem Fall versucht der Arzt, dem Patienten eine „künstliche Hornhaut“ mittels einer Keratoprothese einzusetzen. Allerdings ist es unmöglich, zum Beispiel eine Glasscheibe als Ersatz einzusetzen, da sich solches nicht-biologisches Material nicht mit dem Körpergewebe verbindet und schnell wieder abgestoßen wird.


Ein Hornhautersatz aus Zahnmaterial

„Wir setzen den Patienten deshalb eine ´künstliche Hornhaut´, eine sogenannte Keratoprothese, ein“, erklärt Prof. Hille. „Dabei handelt es sich um einen optischen Zylinder, der am besten mittels körpereigenem Gewebe, einer Zahnwurzel und Knochen, in der Hornhaut fixiert wird.“ Um eine solche „Osteo-Odonto-Keratoprothese“ herzustellen, wird dem Patienten ein Zahn zusammen mit Zahnwurzel entnommen. Die Zahnwurzel wird der Länge nach halbiert und so durchbohrt, dass in das Bohrloch ein optischer Zylinder aus Plexiglas festgeklebt werden kann. Dieser künstliche Sichtkanal wird in bzw. auf die Hornhaut des erkrankten Auges eingesetzt. „Mit diesem künstlichen Hornhautersatzes können wir sehr zufrieden sein“, so Prof. Hille weiter, der europaweit zu den wenigen Experten zählt, die diese ausgesprochen komplexe Operationsmethode beherrschen. Einmal eingesetzte Prothesen bleiben 20 bis 30 Jahre funktionstüchtig und ermöglichen eine enorme Steigerung der Lebensqualität bei den Patienten.


Wenn die Nervenzellschicht und der Sehnerv intakt ist, kann der Patient nach der Operation in der Regel wieder mit einem guten Sehvermögen rechnen, welches auf lange Zeit erhalten bleibt: “Ein Patient, den ich 1996 damals noch in Homburg an der dortigen Universitäts-Augenklinik operiert habe, lebt inzwischen seit 15 Jahren beschwerdefrei mit seinem Implantat. Er hatte in der ehemaligen DDR eine schwere Augen-Verätzung an beiden Augen erlitten und konnte einige Jahre nur noch Handbewegungen sehen. Nach Einsetzen der Prothese kann er wieder lesen und sich in fremder Umgebung gut orientieren.“ Für Patienten, die keine geeigneten Zähne haben, eignet sich die „Tibia-corticalis-Keratoprothese“, bei der anstelle der Zahnwurzel ein Stück Schienenbeinknochen zur Fixation des optischen Zylinders benutzt wird.


Augenklinik am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach

Foto von PD Prof. Dr. HillePriv.-Doz. Prof. h.c. (Twer) Dr. Konrad Hille ist Chefarzt der Augenklinik am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach, welche vor kurzem an den Standort St. Josefsklinik umgezogen ist. Diese ist mit 25 Planbetten und rund 6000 durchgeführten Operationen im Jahr die einzige Hauptabteilung dieser Fachrichtung im Ortenaukreis. Das Leistungsspektrum umfasst die gesamten Krankheitsbilder des vorderen und hinteren Augenabschnittes sowie des äußeren Auges. Operationen werden sowohl ambulant als auch stationär durchgeführt.


Über das Ortenau Klinikum

Das  Ortenau  Klinikum  (www.Ortenau-Klinikum.de) ist  ein  Baden-Württembergischer Klinikverbund mit zahlreichen    medizinischen    Zentren    und    Schwerpunkten   an   neun Klinikstandorten   und   insgesamt   1.800   Planbetten.   Mit  rund  5.000 Mitarbeitern  zählt das Ortenau Klinikum deutschlandweit zu den 100 größten Arbeitgebern  in  der  Gesundheitsbranche.  Träger  ist  der  Ortenaukreis. Jährlich  werden  hier  75.000  Patienten stationär behandelt. Und jährlich erblicken 3.500 Babys in den Ortenauer Kreißsälen das Licht der Welt.


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