Bild eines Hindutempels

Hinduismus

Der Hinduismus ist die neueste Stufe der indischen Religion. Die Ursprünge des Hinduismus liegen in den Veden (älteste heiligen Schriften der Inder), die aus der Zeit 1.500 vor Christus stammen. Aus der vedischen Religionsform ist später der Brahmanismus entstanden. Charakteristisch für den Brahmanismus war das Hervortreten eines unpersönlichen Gottes (Brahma), das Kastenwesen sowie beginnender Seelenwanderungsglauben und Erlösungssehnsucht. In der 3. Zeitstufe der indischen Religion entstand zur zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts der Hinduismus. Der Name geht auf die Bezeichnung "Shindu" (Sanskrit für den Fluss Indus) zurück.

Der Hinduismus breitete sich im 7. Jahrhundert besonders in Indien aus und grenzte sich dort bewusst vor dort vorherrschenden Religion des Buddhismus ab. Heute ist der Hinduismus besonders in Indien und Nepal stark verbreitet. Alleine in Indien gibt es 750 Millionen Menschen (85% der Einwohner), die sich zum Hinduismus bekennen. Hinduistische Gruppen finden sich aber auch in vielen anderen asiatischen Regionen (Bangladesh, Malaysia, Sri Lanka) sowie in Süd- und Ostafrika.

Charakteristisch für den Hinduismus sind seine philosophischen Ansätze. Dazu gehören die soziale Gliederung durch das Kastenwesen und die Wiedergeburt.

Der Zyklus der Wiedergeburten

Der Hinduismus ist geprägt durch das zyklische Zeitverständnis. Der Hindu glaubt an die Wiedergeburt. Man geht man davon aus, dass jedes Lebewesen, ob Mensch oder Tier, dem Kreislauf der Wiedergeburt unterworfen ist. Über die Art der Lebensform bestimmen die guten und schlechten Taten (Karma) während des Lebens. So ist der Mensch durch seine Taten seines eigenen Glückes Schmied und kann auch als armer Mensch im nächsten Leben einer hohen sozialen Schicht (Kaste) angehören.

Das Kastenwesen im Hinduismus

Die soziale Struktur im Hinduismus drückt sich im Kastensystem aus, eine Art Klassensystem in der Gesellschaft, in die man hinein geboren wird. Aufgrund des Glaubens an die Wiedergeburt wird die Zugehörigkeit zu einer Kaste durch das Karma im vergangenen Leben erklärt.

Folgende Hauptunterteilung des Kastenwesens wird vorgenommen:

  • Priester (Brahmanen)
  • Krieger und Könige (Kschatrijas)
  • Bauern und Handwerker (Waischjas)
  • Knechte und Tagelöhner (Schudras)

Jeder dieser Stände zerfällt jedoch regional noch in rund 1000 Kasten, die sich z. B. nach der Berufsgruppe richten.

Außenseiter des Kastensystems sind die Paria, die Unberührbaren. Sie gehören keiner Kaste an und verrichten die niedrigsten Arbeiten. Ende des 19. Jahrhunderts hat sich Mahatma Gandhi dafür eingesetzt, dass die Parias stärker in die Gesellschaft integriert wurden. Er nannte die Parias Hariyan („Kinder Gottes“).

In jeder Kaste gibt es ein Oberhaupt, einen Rat und einen gemeinsamen Beruf. Es gibt kastenspezifisch bestimmte Vorschriften, Rituale und Feste. Wer einer Kaste angehörig ist, fühlt sich in jeder Hinsicht abgesichert, da sich innerhalb einer Kaste jeder für jeden verantwortlich fühlt. Das Benehmen innerhalb einer Kaste führt zu Anhäufung des persönlichen Karmas. Bei vielen guten Taten besteht eine große Chance auf die Wiedergeburt in ein hohe Kaste im nächsten Leben. Wenn man gegen bestimmte Regeln verstößt kann man aus der entsprechenden Kaste ausgestoßen werden.

Das Kastenwesen äußert sich auf sozialer und wirtschaftlicher Ebene in dem strengen hierarchischen Denken und Handeln. Persönliche Kontakte, besonders die Heirat zwischen zwei Menschen unterschiedlicher Kasten, sind im Hinduismus undenkbar. Es ist auch nicht möglich, im selben Leben in eine andere Kaste auf- oder abzusteigen. Durch die Kaste sind bestimmte Berufe häufig schon vorgegeben. So kann jemand auch durch große Anstrengungen keine große Karriere machen.

Die Götter des Hinduismus

Der Hinduismus ist je nach Ausprägung (Brahmanischer Sanskrit-Hinduismus oder diverse hinduistische Stammes- und Sektenreligionen) teils polytheistisch und teils monotheistisch. Aus wissenschaftlicher Sicht wird der Hinduismus als henotheistische Religion definiert, da die Erscheinungsformen der verschiedenen Götter eher auf die höchste brahmanische Weltenseele als eine persönliche Gottheit abstellen. Es besteht keine einheitliche Glaubensweise für die Götter, aber auch eine große Toleranz bezüglich der Glaubensformen.

Wie alle Lebensformen sind für die Hindus auch die Götter sterblich und vergänglich. Die Götter des Hinduismus werden vielgestaltig dargestellt, mit mehreren Köpfen und Gliedern.

Bedeutsam unter den Göttern sind Brahma, Shiva und Vishnu. Die Götter werden einzeln oder auch als Dreiheit (häufig dargestellt als dreiköpfige Figur) dargestellt. 

Brahma:

Bild von Brahma

Brahma gilt bei den Hindus als der allmächtige, oberste Gott, der die Welt erschaffen hat. Er wird dargestellt als eine Gestalt mit weißem Gewand und rotem Leib, die auf einer Gans reitet oder auf einer Lotusblume sitzt. Viele Hindus gehen davon aus, dass von Brahma alle Formen der Götter abgeleitet werden. Brahma wird zwar als der Schöpfer angesehen, jedoch selten verehrt. Die Gattin Brahmas Saraswatu gilt bei den Hindus als die Göttin des Wissens, die Sprache, Wissenschaft und Literatur beherrscht.

Shiva:

Bild von Shiva

Shiva gilt als der Zerstörer der Welt, aber auch als eine Art Heiland und Retter der Welt. Shiva trägt eine Kette aus Menschenschädeln, ein Dreizack und das sogenannte Lingam (Symbol des männlichen Gliedes). Er wird reitend auf dem Stier Nandi dargesellt.

Vishnu:

Bild von Vishnu

Im Gegensatz zu Shiva gilt der Gott Vishnu als der Erhalter der Welt. Er wird dargestellt als eine Gestalt mit gelbem Gewand und blauem Leib, der eine Blütenkranz trägt. Das Symbol Vishnus ist das Rad und der Raubvogel auf dem er reitet. Vishnu setzt sich auf der Welt ein, wenn das Böse auftritt. In dem Fall nimmt er irdische Gestalt (Awatara) an: In Gestalt von Rama als König oder Krishna als Hirte. Vishnu wird auch als Gott Hare bezeichnet. Die Verehrung Wischnuss mit den Formen Hare Rama und Hare Krishna bezeichnet man auch als Wischnusismus. 

Ganesha:

Bild von Ganesha

Der Gott des Wohlstandes, der Weisheit und der Schriebkunst ist Ganesha, ein Sohn Shivas. Ganesha wird als beleibte menschliche Gestalt mit vier Armen, Elefantenkopf und einem Stoßzahn dargestellt.

Lebensphilosophie und Lebensweise im Hinduismus

Der Glaube an die Wiedergeburt und das Kastensystem bestimmt das Leben des Hindus in jeder Hinsicht. So ist das gesamte Handeln auf die Anhäufung positiven Karmas mit dem Ziel der Wiedergeburt in eine hohe Kaste ausgerichtet. Aufgrund des Glaubens an die Wiedergeburt aller Lebewesen weisen die Hindus eine starke Naturverbundenheit auf. Aus der besonderen Beziehung zur Natur ergeben sich ethische und moralische Verhaltensnormen: Im Hinduismus wird zum Teil strenger Vegetarismus gepflegt. Die Kuh gilt als heilig und darf weder gejagt noch verzehrt werden.

Der Hindu sieht die Vergänglichkeit der Welt als einen ständigen Prozess von Veränderungen, die bestimmten Gesetzmäßigkeiten (Dharma) unterliegen. Die Vergänglichkeit ist dabei ein wichtiger Ansatz für die asketische Lebensweise. Der Hindu ist der Ansicht, dass nichts für die Ewigkeit bleibt. Ein Hindu hat hohes Ansehen, wenn er sich in Askese übt. Beliebt sind auch Leibes- und Geistesübungen wie Yoga und Meditation. Die Befreiung des Geistes und die Erlösung ist dabei das wichtigste Ziel.

Im Hinduismus gibt es aufgrund der unterschiedlichen Götter und Glaubensweisen kein festes religiöses Lehrgebäude oder eine Kirche. Es gibt aber Tempel und Tausende von  Wallfahrtsorten, wohin die Hindus pilgern und verschiedenen Ritualen wir dem Reinwaschen im Fluss nachgehen. Der beliebteste Wallfahrtsort ist Benares und der ortsansässige Fluss Ganges. Nach Glaube der Hindus ist ein erstrebenswert, in Benares zu sterben und eingeäschert zu werden. Wenn die Asche dann in den Ganges gestreut wird versprechen sich die Hindus die Wiedergeburt als Teil von Shiva.

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