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Plötzliches Herzrasen – Aufregung oder Grund zur Sorge?

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Ein aus dem Rhythmus geratener Herzschlag kann harmlose oder auch krankhafte Ursachen haben 

Ein Anstieg der Herzfrequenz ist in vielen Situationen eine völlig normale Körperreaktion. Tritt Herzrasen jedoch plötzlich ohne erkennbaren Grund auf, sollte man das unbedingt ärztlich abklären lassen. Denn hinter Herzrasen können gefährliche Herzkrankheiten stecken, wie Dr. Michael Weber, Chefarzt der Groß-Umstädter Klinik für Innere Medizin II der Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg, betont. Der Kardiologe erklärt die häufigsten Gründe für den höheren Herzschlag.

Frühlingsgefühle: Herzrasen aus Verliebtheit

„Verliebte spüren die gleichen Symptome wie bei einer Angstreaktion, der Körper wird in Alarmbereitschaft versetzt. Das Stresshormon Adrenalin nimmt zu und erhöht den Herzschlag“, sagt der Mediziner. Durch das Adrenalin, das Glucose und Fettsäuren aus den Energiespeichern der Leber, der Muskulatur und des Fettgewebes freisetzt, steigen der Blutdruck und die Herz- und Atemfrequenz an. Außerdem kommt es zu weiteren Symptomen wie vermehrtem Schwitzen oder höherer Muskelanspannung. Biologisch gesehen bedeutet das Verliebtsein also Stress für den Körper. Aber das hat seinen Sinn: Heftige körperliche Reaktionen wie Herzrasen, feuchte Hände und die berühmten Schmetterlinge im Bauch sind sinnvoll, weil man dadurch besonders aufmerksam für alle Zeichen ist, die das Gegenüber aussendet. Positiv wahrgenommen wird das Herzrasen von Verliebten, weil das Belohnungszentrum des Hirns vom euphorisch stimmenden Botenstoff Dopamin überflutet wird. Damit diese völlig harmlose Form des Herzrasens nicht schädlich für den Organismus wird, sollten Betroffene eine Möglichkeit finden zu entspannen. „Dann wird der Entspannungsnerv Parasympathikus aktiviert. Er sorgt dafür, dass die Energie ein wenig heruntergefahren wird, wodurch das Herzrasen abklingt“, rät Dr. Weber.

Weniger harmlos: Die Herzrhythmusstörung

Neben Aufregung oder Verliebtsein kann jedoch auch eine Herzrhythmusstörung die Ursache für das Herzrasen sein. Normalerweise schlägt das Herz etwa 60 bis 90 Mal pro Minute. Bei einer Herzrhythmusstörung kann sich die Herzfrequenz verdoppeln, sogar verdreifachen. Tückisch ist, dass die Grenze zwischen harmlosem Stolpern und lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen fließend ist. „Derartiges Herzrasen ist jedoch keine Krankheit, sondern meist das Symptom einer vorhandenen Herz-Kreislauf-Erkrankung“, weiß Dr. Weber. „Körperliche Symptome sind außerdem der sprichwörtliche Kloß im Hals und eine verkrampfte Muskulatur im Verdauungstrakt und auch im Nacken-Rückenbereich.“ Ursachen von Herzrhythmusstörungen können zum Beispiel übermäßiger Konsum von Koffein oder Alkohol sein, die Nebenwirkungen einiger Medikamente (zum Beispiel Antidepressiva) oder fieberhafte Infekte. Ein häufig auftretendes Herzrasen sollte in jedem Fall von einem Arzt untersucht werden, um eine zugrunde liegende Herzerkrankung auszuschließen.

Schwerwiegendes Herzrasen: Vorhofflimmern

Auch das so genannte Vorhofflimmern wird umgangssprachlich häufig als Herzrasen bezeichnet, wobei es sich hierbei um eine schwerere Form der Herzrhythmusstörung handelt. „Die Bevölkerung wird immer älter und damit steigt auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen an“, sagt Dr. Weber. Besonders das Vorhofflimmern bietet Grund zur Sorge: Die Zahl der Herzpatienten, die an dieser anhaltenden Rhythmusstörung leiden, wird in den kommenden Jahren drastisch zunehmen. „Bei dieser Störung kann der sogenannte Sinusknoten seine Funktion als Taktgeber der Herzaktion nicht mehr richtig erfüllen. So kommt es zu einem schnelleren Herzrhythmus mit einer Vorhoffrequenz von  350 Schlägen pro Minute und mehr. Vorhofflimmern kann dann lebensbedrohlich werden, wenn die Vorhöfe des Herzens nicht mehr richtig pumpen. Durch das Flimmern bilden sich in einigen Fällen in den Herzhöhlen Blutgerinnsel, die im schlimmsten Fall zu einem Schlaganfall führen.“

Liegt eine solche Herzrhythmusstörung als Ursache für das Herzrasen vor, lässt sich diese recht schnell im Rahmen einer Anamnese und Elektrokardiografie (EKG) beim Kardiologen feststellen.

Weitere mögliche Ursache: Schilddrüsenprobleme

Auch eine Kontrolle der Schilddrüsenwerte kann bei häufigem Herzrasen sinnvoll sein. Die Hauptaufgabe der Schilddrüse ist es, Hormone zu bilden und diese nach Bedarf an das Blut abzugeben. Deshalb wirkt sich eine Überfunktion der Drüse auch auf andere Organe und beispielsweise das Herz aus. „Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion klagen häufig über einen schnelleren Puls und unregelmäßigeren Herzschlag. Oft spüren die Patienten ihren Herzschlag bis in den Hals hinein“, so Dr. Weber. Zur Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion setzt der Arzt Medikamente wie Thiamazol ein, die dosisabhängig die Bildung der Hormone in der Schilddrüse hemmen. Außerdem stehen mit so genannten Betablockern Substanzen zur Verfügung, welche die Symptome einer Überfunktion lindern. Im Prinzip ist die Erkrankung ungefährlich und kann bei richtiger Behandlung der Schilddrüse auch das übermäßige Herzrasen eindämmen.

Herzrasen? Diese Fragen stellt Ihnen Ihr Arzt bei der Untersuchung

  • Wann trat das Herzrasen zuletzt auf?
  • Wann trat das Herzrasen zum ersten Mal auf?
  • Wie oft tritt das Herzrasen auf – monatlich, wöchentlich, täglich?
  • Beginnt das Herzrasen mit bestimmten Ereignissen wie Aufregung oder Schlaf?
  • Schlägt Ihr Puls während des Herzrasens regelmäßig oder unregelmäßig?
  • Haben Sie weitere körperliche Beschwerden während des Herzrasens?
  • Sind Sie nach dem Herzrasen schon einmal bewusstlos geworden?
  • Können Sie das Herzrasen selbst beenden oder benötigen Sie Medikamente?
  • Haben Sie Verwandte, die an Herzrasen oder Herzrhythmusstörungen leiden?

Hinweis:
Dieser Artikel dient ausschließlich Ihrer Information und ersetzt keinesfalls den Besuch bei einem approbierten Arzt. Alle auf www.planetsenior.de angebotenen Inhalte dürfen und können nicht zur Selbstdiagnose oder Eigenmedikation verwendet werden. PlanetSenior leistet keinerlei Beratung oder Empfehlung. Fragen Sie hinsichtlich Heilungsverfahren, Diagnosen, Symptomen und Medikation unbedingt Ihren Arzt oder Apotheker. Beachten Sie bitte auch den Haftungsausschluss.

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