Sonstige Gedichte

An einen Jüngling (Benjamin Franklin Wedekind 1864-1918)

Jüngling, laß dich nicht gelüsten
Nach des Paradieses Äpfeln;
Von den straffsten Mädchenbrüsten
Wird dir nichts als Kummer tröpfeln. Wagst du dich heran und findst du
Lust an diesen weißen Teufeln,
Armer Freund, wie bald beginnst du
Selbst von Traurigkeit zu träufeln. Just die Kühnsten, Elegantsten
Werden früh zu müden Krüppeln,
Und die einst am flottsten tanzten,
Müssen lahm zur Grube trippeln.

Hausrecht (Ludwig Uhland 1787-1862)

Tritt ein zu dieser Schwelle!
Willkommen hierzuland!
Leg ab den Mantel, stelle
Den Stab an diese Wand! Sitz obenan zu Tische!
Die Ehre ziemt dem Gast.
Was ich vermag, erfrische
Dich nach des Tages Last! Wenn ungerechte Rache
Dich aus der Heimat trieb,
Nimm unter meinem Dache
Als teurer Freund vorlieb! Nur eins ist, was ich bitte:
Lass du mir ungeschwächt
Der Väter fromme Sitte,
Des Hauses heilig Recht!

Die Rache (Ludwig Uhland 1787-1862)

Der Knecht hat erstochen den edlen Herrn,
Der Knecht wär selbst ein Ritter gern. Er hat ihn erstochen im dunklen Hain
Und den Leib vesenket im tiefen Rhein. Hat angelegt die Rüstung blank,
Auf des Herren Ross sich geschwungen frank. Und als er sprengen will über die Brück
Da stutzet das Ross und bäumt sich zurück. Und als er die güldnen Sporen ihm gab,
Da schleudert’s ihn wild in den Strom hinab. Mit Arm, mit Fuß er rudert und ringt,
Der schwere Panzer ihn niederzwingt.

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