Gedichte über die Sehnsucht

Der Abend (Joseph von Eichendorff 1788-1857)

Schweigt der Menschen laute Lust:
Rauscht die Erde wie in Träumen
Wunderbar mit allen Bäumen,
Was dem Herzen kaum bewusst,
Alte Zeiten, linde Trauer,
Und es schweifen leise Schauer
Wetterleuchtend durch die Brust.

Niemand weiß (Christian Hofmann von Hofmannswaldau 1617-1679)

Niemand weiß, wie schwer mirs fällt,
Flammen in der Brust zu hegen,
und sie dennoch vor der Welt
nicht ans freie Licht zu legen.
Feuer lässt sich nicht verhehlen,
denn sein Glanz ist allzu klar,
und die Glut verliebter Seelen
macht sich selber offenbar.

Auf der Suche

Johann Wolfgang von Goethe

Ich suche ein Ohr, das mir zuhört. Ich suche eine Stimme, die mich aufmuntert, wenn ich mal schlecht drauf bin. Ich suche eine Schulter, an die ich mich lehnen kann, wenn ich schwach werde. Ich suche einen Mund, der mich wild küsst, wenn ich übermütig werde. Ich suche starke Arme, die mich festhalten, wenn ich gehen will. Ich suche Augen, die mir sagen, wie sehr ich geliebt werde und ich suche immer noch.

Kuss (Franz Grillparzer 1791-1872)

Auf die Hände küsst die Achtung,
Freundschaft auf die offne Stirn,
Auf die Wange Wohlgefallen,
Sel'ge Liebe auf den Mund;
Aufs geschloßne Aug' die Sehnsucht,
In die hohle Hand Verlangen,
Arm und Nacken die Begierde,
Übrall sonst die Raserei.

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