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Endometriose

Die rätselhafte Frauenkrankheit

 Chefarzt empfiehlt rechtzeitige Entfernung der Endometriose-Herde, um den Schmerz-Zyklus zu durchbrechen

Es ist eine Frauenkrankheit, die sich häufig erst auf den zweiten Blick zu erkennen gibt: Endometriose. Die Erkrankung ist tückisch, denn sie kann starke Unterbauch- und Regelschmerzen wie auch Unfruchtbarkeit verursachen. Experten schätzen, dass jede zehnte Frau unter Endometriose leidet. „Endometriose ist eine gutartige, oft aber chronische verlaufende Erkrankung die für die Betroffenen  extrem belastend sein kann. Dabei gibt es vielfältige Möglichkeiten, ihr zu begegnen“, sagt Dr. Thomas Martin, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg

Ursache ist „Schleimhaut am falschen Ort“

Was passiert bei dieser Krankheit, an deren Ursachen die Medizin immer noch forscht?  Endometriome sind Absiedlungen der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter. Dieses Gewebe ist der Gebärmutterschleimhaut sehr ähnlich, kommt aber außerhalb der Gebärmutterhöhle, im Bauchfell, den Eierstöcken, an der Blase oder dem Darm vor. Obwohl das Gewebe also an der falschen Stelle sitzt, reagiert es im Laufe des weiblichen Zyklus so, als wäre es innerhalb der Gebärmutter. Unter dem Einfluss weiblicher Hormone unterliegt  diese  „Schleimhaut am falschen Ort“ den gleichen Veränderungen, wie die Schleimhaut in der Gebärmutterhöhle.  Auch sie kann Substanzen freisetzen die zur Gewebereaktion führen und  Reizungen und Entzündungen verursachen. „Wenn die Krankheit sehr lange nicht behandelt wird, führt dies zu Zysten an den Eierstöcken, zu Verklebungen an den Eileitern und zu Verwachsungen“, sagt Dr. Martin. Das kann neben den Schmerzen weitreichende Folgen wie beispielsweise Unfruchtbarkeit haben. „Die Medizin geht davon aus, dass etwa 40 bis 60 Prozent der Frauen, die einen unerfüllten Kinderwunsch haben, an Endometriose erkrankt sind“.  

Behandlung von Schmerz und Unfruchtbarkeit

Doch Schmerzen und Unfruchtbarkeit müssen im Falle der Endometriose kein Schicksal sein. „Auch wenn die Krankheit bislang noch nicht heilbar ist, können wir den Patientinnen helfen. Und je früher die Betroffenen ärztliche Hilfe suchen, desto besser sind die Erfolgsaussichten einer Behandlung“, betont Dr. Martin. Die Diagnose erfolgt zunächst mittels einer ausführlichen Erhebung der Krankengeschichte sowie einer Tast- und Ultraschall-Untersuchung. Daraus  kann auch eine Indikation zur Laparoskopie, also einer Bauchspiegelung, resultieren. Liegt eine Endometriose vor, rät Dr. Martin den Frauen je nach Befund zu einer Operation oder einer Hormontherapie.

Bei einer Operation werden die Endometriose-Herde entfernt, dies ist besonders bei Endometriomen an den Eierstöcken und bei Herden hinter dem Gebärmutterhals wichtig. Die Operation erfolgt überwiegend minimalinvasiv über einen kleinen Schnitt im Bauchnabel. Der Vorteil: Bei dieser Methode gibt es kaum Narben, der Wundschmerz ist deutlich geringer und die Patientinnen erholen sich nach dem Eingriff deutlich schneller.

Der zweite Tragpfeiler der Behandlung  der Endometriose ist die Hormontherapie  „Häufig werden dabei Medikamente aus der Gruppe der Gelbkörperhormone, der sogenannten Gestagene, zusätzlich zu monophasischen Kontrazeptiva und auch GnRH-Analoga empfohlen.In zwei Drittel aller Fälle können wir damit die Schmerzen der Patientinnen beheben oder deutlich lindern“, sagt Dr. Martin.  

„Nachgefragt“

Drei Fragen an Dr. Thomas Martin, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg:

Herr Dr. Martin, kann man der Entstehung von Endometriose vorbeugen?

Dr. Martin: Leider hat die Forschung bislang keine gesicherten Erkenntnisse darüber, warum manche Frauen an einer Endometriose erkranken und andere nicht. Deshalb gibt es auch keine Möglichkeit, dieser Krankheit vorzubeugen. Doch je früher eine Endometriose erkannt wird, desto besser lässt sie sich behandeln. Wir sprechen hierbei von einer proliferativen Erkrankung, die sich weiter ausbreitet, wenn man nichts dagegen unternimmt.

Aber Schmerzen während der Regel – das hatte doch jede Frau schon einmal. Welche Symptome weisen noch auf Endometriose hin?

Dr. Martin: Ob Endometriose überhaupt Beschwerden verursacht und wie stark diese sind ist sehr unterschiedlich. Hinweisend sind schwere bis unerträgliche Periodenscherzen, chronische oder häufig wiederkehrende Unterbauchschmerzen. Rückenschmerzen , die im Zusammenhang mit der Monatsblutung auftreten und wieder abflauen. Auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Menstruationsstörungen und unregelmäßige Blutungen sowie Unfruchtbarkeit können auf eine Endometriose hindeuten.

Operativer Eingriff oder Hormonbehandlung – welche Therapie empfehlen Sie an den Kreiskliniken?

Dr. Martin: Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen die jeweilige Patientin und ihre Bedürfnisse. Häufig ist eine Kombination aus Operation und Hormontherapie notwendig. Dabei ist uns die Schmerzbehandlung besonders wichtig. Welche Therapie geeignet ist, entscheiden wir ganz individuell, abgestimmt auf die einzelne Patientin. Um diese Therapie optimal gewährleisten zu können, arbeiten an den Kreiskliniken die unterschiedlichsten Spezialisten eng zusammen: Gynäkologen, Chirurgen, Anästhesisten, und auch Psychotherapeuten.“

Hinweis:
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