COPD - Chronische Lungenkrankheit

Die chronische Lungenkrankheit COPD entwickelt sich immer mehr zur Volkskrankheit. Etwa 210 Millionen Menschen auf der ganzen Welt sind betroffen. Inzwischen rangiert COPD (chronic obstructive pulmonary disease) auf Platz 4 der häufigsten Todesursachen. Doch viele Betroffene bemerken jahrelang nicht, dass sie unter der Krankheit leiden.

Katharina W. (65 Jahre) wurde zum ersten Mal vor 15 Jahren von einem Arzt auf ein Lungenemphysym aufmerksam gemacht. Damals ging es ihr gut. Sie rauchte weiter, die Krankheit schritt jedoch langsam und schrittweise voran. Eines Morgens, als sie mit dem Fahrrad unterwegs zur Arbeit war, merkte sie, dass sie plötzlich immer weniger Luft bekam und ihre Körperfunktionen nicht mehr richtig beherrschte. Sofort ging sie zum Arzt, der schließlich COPD feststellte und ihr deutlich sagte, dass die Krankheit chronisch und nicht mehr rückgängig zu machen sei. Katharina W. ist seitdem auf Medikamente angewiesen und inhaliert täglich Kortison. Spaziergänge sind für sie nur noch mit einer Sauerstoffflasche möglich. Heute hat sie die Krankheit angenommen und akzeptiert. Das war ein Prozess, sagt sie. Zu oft hatte sie in der Vergangenheit ihre Müdigkeit, ihre Abgeschlagenheit, ihren Raucherhusten einfach verdrängt.

Foto von Dr. Wieshammer Welch tiefen Einschnitt die Diagnose COPD in das Leben der Betroffenen bedeutet, weiß auch PD Dr. Siegfried Wieshammer, der gemeinsam mit Dr. Lothar Latzke das Pneumologisch-Thoraxchirurgische Zentrum (PTZ) am Ortenau Klinikum in Offenburg leitet:
„Wenn Sie an COPD leiden, müssen Sie unter Umständen Ihre Lebensweise umstellen. Das kann Veränderungen oder Einschränkungen bei Hobbies oder anderen Aktivitäten erforderlich machen. Es kann in einem späteren Stadium der Krankheit auch bedeuten, dass Sie in Ihrem Alltagsleben fremde Hilfe in Anspruch nehmen müssen.“ Das PTZ in Offenburg ist eine der wenigen Lungenabteilungen in Baden-Württemberg, bei der Internisten und Chirurgen in einer Abteilung mit gemeinsamen Betten zusammenarbeiten. Diagnostik, medikamentöse Behandlung und Operation finden hier in derselben Abteilung statt. COPD-Erkrankte finden allerdings meist erst in einem späteren Stadium der Krankheit in das Pneumologisch-Thoraxchirurgische Zentrum, da die Krankheit häufig zu lange unbemerkt bleibt. „Dabei stehen die Chancen, ein Fortschreiten der Erkrankung durch frühzeitige Diagnose und richtige Behandlung zu verlangsamen, sehr gut. Leider ist die COPD trotz steigender Patientenzahlen im Vergleich zu anderen Volkskrankheiten aber immer noch recht unbekannt in der Bevölkerung“, bemerkt Dr. Latzke.“

Häufigste Ursache ist Zigarettenrauch

Für die Entstehung einer COPD ist Zigarettenrauch die häufigste Ursache. Die meisten Patienten sind Raucher oder ehemalige Raucher. Oftmals entwickelt sich COPD aus einer Bronchitis. „Die Flimmerhärchen der Atemwege werden im Entstehen der Bronchitis zunehmend gelähmt, und die Lunge produziert übermäßig viel Schleim“, erklärt Dr. Wieshammer. „Dadurch kommt es verstärkt zu Husten und Auswurf.“ Wenn das Rauchen umgehend eingestellt wird, also die Ursache der chronischen Bronchitis beseitigt wird, können sich die Veränderungen in diesem Stadium sogar noch zurückbilden. Geschieht dies nicht, kann sich aus der chronischen Bronchitis im Laufe der Zeit die COPD entwickeln: Die

Flimmerhärchen werden dann vollständig zerstört, die entzündete Bronchialschleimhaut verdickt sich und verengt die Luftwege. Diese Veränderungen sind nicht mehr rückgängig zu machen.

Therapiemöglichkeiten bei COPD

Eine Langzeit-Sauerstofftherapie ist sinnvoll, insbesondere wenn bereits eine Schwäche der rechten Herzhälfte vorliegt. Die Sauerstoffflaschen, aus denen die Patienten über eine Nasensonde 16 bis 18 Stunden pro Tag Sauerstoff inhaliert, sollen wie im Fall von Katharina W. bei der Stabilisation der Sauerstoffkonzentration im Blut helfen. Dadurch verringert sich auch das Gefühl der Atemnot. Wenn durch die COPD bereits ein Lungenemphysym entstanden ist, also zu viel Lungengewebe zerstört wurde und somit die Lunge überbläht ist, kann in einigen Fällen auch eine Operation helfen. Die Lunge sieht dann aus wie ein großer Ballon. Bei der Operation wird das ballonartig erweiterte Lungengewebe, das nicht mehr funktionstüchtig ist, entfernt. So kann eine Verbesserung der Lungenfunktion erreicht werden. Unterstützen können die Patienten die verschiedenen Behandlungsmethoden selbstverständlich, indem sie Zigarettenrauch und andere Schadstoffe, wie zum Beispiel Feinstaub, konsequent meiden.

Den Alltag bewältigen

Foto von Dr. LatzkeAuch moderate Bewegung und ausgewogene Ernährung sind wichtig, um den Alltag mit der Krankheit bewältigen zu können. Ein gewisses Maß an Disziplin gehört allerdings dazu: Es kann für die Betroffenen schon belastend sein, genügend zu essen, da durch die Nahrungsaufnahme ein Bauchdruck entsteht, der das Atmen erschwert. Auch Bewegung fällt vielen schwer, kann jedoch langfristig die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. Leichtes Jogging oder Nordic Walking sind beispielsweise geeignete Sportarten für COPD-Patienten. Im Verlauf der COPD kann es immer wieder zu akuten Verschlimmerungen der Beschwerden, sogenannten Exazerbationen, kommen. Verantwortlich dafür sind Infekte, Smog und andere Luftverschmutzungen, eine feucht-kalte Witterung oder auch Unfälle. Patienten bemerken die Verschlechterung sofort an der anstrengenden Kurzatmigkeit, die wieder häufiger auftritt, und an stärkerem Husten mit Auswurf. „Verschlechtert sich das Befinden der Patienten, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden“, rät Dr. Lothar Latzke. Die Exazerbationen können ohne Behandlung lebensbedrohlich werden und ein Versagen von Herz und Atemmuskulatur zur Folge haben. In jedem Fall, auch in Zeiten allgemeinen Wohlbefindens, sollten sich COPD-Patienten regelmäßig von einem Arzt untersuchen lassen.

Über das Ortenau Klinikum

Das Ortenau Klinikum ist ein Baden-Württembergischer Klinikverbund mit zahlreichen medizinischen Zentren und Schwerpunkten an neun Klinikstandorten und insgesamt 1.800 Planbetten. Mit rund 5.000 Mitarbeitern zählt das Ortenau Klinikum deutschlandweit zu den 100 größten Arbeitgebern in der Gesundheitsbranche. Träger ist der Ortenaukreis. Jährlich werden hier 75.000 Patienten stationär behandelt. Und jährlich erblicken 3.500 Babys in den Ortenauer Kreißsälen das Licht der Welt.

Offenburg, November 2011.

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