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Sein & Bewusstsein

von: leo

07.05.2007 - 10:23 Uhr

Beiträge: 16

Hallo Harald,

prima. Danke für die ausführliche Antwort.

Ich bin dann wohl eher dem Materialismus zugeneigt, da ich eher glaube, was ich sehe. Was nicht heißen soll, dass ich keine Ideale habe. Generell halte ich mich lieber an das, was die Wissenschaft beweißen und durch Gesetze erklären kann. Soll aber auch nicht bedeuten, dass ich die Existenz von Gott leugne. Das spielt sich für mich auf einer anderen Ebene ab und muss sich meines Erachtens nicht ausschließen. Es ist sehr Schade, dass Wissenschaft und Kirche oft so konträre Standpunkte einnehmen und meine Kritik geht hier eher in Richtung Kirche. Es kann doch nicht sein, dass ein Wissenschaftler förmlich aus der Religiösität vertrieben wird, nur weil er aus wissenschaftlicher Sicht irgendetwas beweisen kann und damit eine Gegenposition zur kirchlichen Meinung einnehmen muss.

Kleiner historischer Exkurs: Selbst als bewiesen war, das die Erde keine Scheibe ist, war diese Feststellung in der Öffentlichkeit damals immer noch eine gefährliche Sache und nur bedeutende Naturwissenschaftler konnten es sich leisten, mit diesem Wissen nach außen zu gehen. Wirklich Schade, denn diese Praxis des ewigen leugnen und verneinens läuft auch noch heute.

Grüße,
leo

von: harald

29.04.2007 - 16:31 Uhr

Beiträge: 49

Hallo leo,

Respekt! Viele würden wahrscheinlich einfach abwinken und sagen - 'is mir egal'. Ist ja auch keine einfache Frage und ich glaube dieses Thema lässt sich nicht so einfach beantworten. Meines Erachtens ist das sogar eine der schwierigsten Fragen, die seit Ewigkeiten diskutiert wird.

Ich habe mich mal im Internet umgesehen. Einige der Philosophen leiten das Bewusstsein aus dem Sein ab (wie z. B. Marx, der ja den Ausspruch "Das Sein bestimmt das Bewußtsein" geprägt hat. Andere Philosophen wiederum leiten das Sein aus dem Bewußtsein ab.

Die zwei entgegengesetzten Richtungen nennen sich Materialismus und Idealismus. Idealismus im philosophischen Sinn meint aber nicht den Idealisten der heutigen Umgangssprache, also den, der Ideale hat. Ebenso geht es beim philosophischen Materialismus nicht um den materiellen Typen, der nur an Geld, Essen, Kleidung etc. denkt und keine Ideale hat.

Generell geht es also um die Frage, ob der Geist (das Bewusstsein) das Ursprüngliche ist und die Materie, als das primäre des Seins, hervor bringt oder umgekehrt.

Der Materialismus (z. B. Thales, Leukipp, Demokrit, Diderot, Feuerbach, Marx, Engels, Lenin) ist die aus der Naturphilosophie und der Wissenschaftslehre entstandene Anschauung, die die Wirklichkeit auf ein einziges Grundprinzip, die Materie zurückführt.

Der Idealismus (z. B. Platon, Fichte, Kant, Hegel) beschreibt ganz grob zusammengefasst, dass das eigentlich Wirkliche die Ideen sind und das, was wir wahrnehmen, nur Abbilder davon sind. Hier beruht die Realität also auf unseren Ideen und unserer Vorstellungskraft. Der menschliche oder auch nichtmenschliche Geist (Gott) ist Ursache der materiellen Welt bzw. hat diese geschaffen.

Hmm. Die Frage ist, ob du jetzt mehr weißt als vorher, leo. Aber letztendlich ist das ja der unterschiedliche Glaubensansatz den die Menschheit mit und ohne Religion verfolgt. Man kann also meiner Meinung nach nicht beweißen wer nun wen bestimmt, das Sein das Bewusstsein oder das Bewusstsein das Sein.

Grüße von Harald

von: leo

26.04.2007 - 01:59 Uhr

Beiträge: 16

Hallo Zusammen,

meine Enkelin brachte kürzlich folgende Aussage aus dem Schulunterricht zu mir:

"Das Sein bestimmt das Bewusstsein."

Sie befragte mich dazu und irgendwie konnte ich einigermaßen vernünftige Dinge dazu sagen bzw. philosophieren. Hegel, Kant und wie die Herren Lebensphilosophen alle heißen, ich kann mich noch düster erinnern, aber viel weiß ich dazu nicht.

Nun will ich aber als Musteropa vor meine Enkelin treten. Weiß jemand von euch eine kurze und plausible Erläuterung dazu? Wer bestimmt denn nun wen?

Danke und Grüße von leo

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