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In der Stille der Nacht

von: waldi17

06.01.2008 - 11:23 Uhr

Beiträge: 5

Hallo Kypros,

eine schöne Geschichte.

Grüße von Waldi

von: kypros

27.12.2007 - 18:36 Uhr

Beiträge: 5

In der Stille der Nacht

Es war wohl eine stille Nacht, als sich Frau Holle dafür entschied, in einem gewissen Teil dieser Erde ihre Arbeit zu verrichten. Sie war oft
an vielen Orten gleichzeitig zugegen, wobei ihr dies nie so etwas wie Schwierigkeiten bereitete. Was ihre Kommunikation mit den Menschen betraf,
so war sie nur bei Kindern anzutreffen, da die Erwachsenen zu ihr den Bezug verloren glaubten. Erst in späten Zeiten des Lebens,
wenn die Lebensarbeit verrichtet war, und alles unter Dach und Fach in Ruhe weilte, da erschien sie auch wieder so manchem alten Menschen
und plauderte mit ihm aus alten Zeiten.

In der Stille der Nacht senkte sich die Zufriedenheit über das Land und wachte über die Träume der Menschen.
Dieses Jahr hatte kein Schnee die Natur zugedeckt, und so war sie der kalten Nacht ausgeliefert, die sich in allen Ecken und Enden bemerkbar machte.
Es war die Zeit für die Schneekönigin, die sich in ihrem Element fühlte. Weit aus dem Norden war sie gen Süden gezogen, und von den Höhen
herabgestiegen ins Tal, um sich für diese Jahreszeit über weite Flächen des Landes auszubreiten. Oft war der Wind ihr ständiger Begleiter,
aber dieses Mal schien er keine Zeit und auch keine Lust zu haben, mit ihr auf die Reise zu gehen. Es bestanden auch keine markanten Gegensätze
zwischen Kalt und Warm in diesem Jahr, und so schien es, als würde sich die Wärme, der Sonne folgend, in die südlicheren Gefilde zurückziehen.

Die Sonne hatte es schwer, in dieser Jahreszeit den Boden der Erde zu erreichen, und wenn nun kein Schnee lag, mußte sie eben der Natur
ein bißchen Wärme schenken, solange sie scheinen konnte.
Viele Kinder hatten einfach aufgehört, sich Schnee zu wünschen, da sie nicht mehr wußten, was man mit diesem Schnee eigentlich anfangen konnte.
Von den Erwachsenen bekamen sie zu hören, daß dieser Schnee ein Hindernis sei, und eigentlich nur in das Gebirge gehörte, also dort,
wo keine Menschen wohnten, und somit auch keine Menschen durch den Schnee sich gestört fühlen konnten.

Frau Holle respektierte diese Ansicht der Menschen und erfüllte auch diese Wünsche. Es schneite nicht mehr so oft, und eines Tages oder Jahres,
so gut wie gar nicht mehr. Dafür war ihr nun die Schneekönigin recht dankbar und konnte Einzug halten, wo immer sie wollte. Es war nämlich so,
daß der Schnee nicht so einfach fallen konnte. Frau Holle mußte sich immer zuerst mit den Wolken in Verbindung setzen, da diese für den Transport
von Wasser zuständig waren, welches sie oft aus wärmeren Gegenden dieser Erde heranschaffen mußten.

Dort hatte Neptun zu tun. Er kümmerte sich kaum um den Abtransport des Wassers aus seinen Meeren und die Wolken kamen eigentlich nur dann,
wenn Wasser benötigt wurde in anderen Teilen der Welt.
Aber das führt nun zu einem anderen Thema, was die Kinder in den nördlichen Regionen nicht wissen wollen.

Sie sahen nur das, was sie bemerken konnten, wenn sie außerhalb des Hauses waren. Und falls sie dann etwas in der Natur zu tun hatten,
kam ihnen beim Spielen meist die Nacht in die Quere, um dann das Spiel zu beenden. Es wurde dann viel zu früh dunkel, und in dieser Dunkelheit
wollten sie sich auch nicht mehr so oft bewegen – und konnten es auch nicht – weil sie nicht alles sahen, was zum Spiel gehörte.
Da nun aber Kinder nicht so denken wie Erwachsene – ich spreche jetzt von der Mehrzahl, nicht von Einzelfällen – fingen sie an, sich etwas einfallen zu lassen, was sie tun könnten, obwohl es bereits schon dunkel war.
Es handelte sich hierbei um meist nicht so gerne gesehene Aktivitäten, die aber auf Seiten der Kinder recht beliebt waren,
und es heute wohl auch noch sind. Wenn auch vielleicht etwas abgeändert in ihrem Ablauf.
Es sind solche Dinge, von denen man niemals etwas zu Hause erzählen würde. Auf diese Art und Weise lernten die Kinder recht bald,
auch die Dunkelheit zu ihren Gunsten zu nutzen. Und wieder kam die Stille ins Spiel in den Augenblicken, in denen die Kinder ihre Kreativität
zum Einsatz brachten, auch wenn es sich hierbei um Verbotenes handeln sollte. Solche Verbote kamen ja von den Eltern,
die sich wohl hierbei an ihre eigene Kindheit zu erinnern begannen, und aus diesem Zwiespalt heraus eben allgemein gültige Verbote
ihren Kindern übermittelten. Somit fehlte oft ihren Verboten der gewisse Nachdruck, und genau dieses bemerkten die Kinder stillschweigend,
um es dann auch zu gegebener Zeit zu übertreten.
Aber nicht alle Kinder taten es. Nicht alle Kinder waren im Spiel so kreativ am Überschreiten des Verbotenen interessiert. Sie wollten nur spielen,
und wenn es begann, dunkel zu werden, dann machten sie sich auf den Heimweg, wobei sie schon lange die Kälte nicht mehr bemerkten.

Beruhigend, wenn dann die Eltern sahen, wie die Kinder nach Hause kamen – aber nicht ihre eigenen – da fingen sie an, sich allmählich Sorgen zu machen,
ob denn nicht etwas vorgefallen sei. Zum Sorgenmachen braucht man aber Zeit, und je länger diese wurde, um so größer wuchsen nun die Sorgen
aus sich heraus. Bis sie so groß waren, daß sie anfingen, sich auf die Reise zu machen, um die Kinder zu suchen. Und die Sorgen fanden
die Kinder immer, egal, was diese gerade zu tun hatten – oder auch nicht. Sie konnten von nun an nur noch an zuhause denken und an die Mutter,
die ungeduldig auf sie wartete. Der Augenblick kam, an dem sie das Spiel unterbrachen und anfingen, zu gehen.
Immer in Richtung Zuhause. Manchmal ruhig, manchmal mit lautem Geschrei, und ein andermal in freudigen Gesprächen vertieft über alles Mögliche,
was Kinder so bewegt.

Was sie dann hinterließen war die Ruhe in der Natur. Die Kinder nahmen das Leben mit nach Hause,
und somit begann die Natur ihr eigenes Leben in Dunkelheit.

Die Nacht senkte sich über das Land, und das war die Zeit für die Schneekönigin, die eigentlich ihren Namen in solchen Zeiten
des Schneemangels zu Unrecht trug.

Eine stille Nacht begann, als sich der Mond zurecht gemacht hatte für seinen Nachtspaziergang. Er war vom Geschehen zu weit entfernt,
als daß es ihn berührt hätte, was nun Frau Holle und die Schneekönigin zu bereden hatten.
In irgendeiner Wohnung sagte ein Mann zu seiner Frau, daß ein Tiefdruckgebiet im Anzug wäre, und somit auch mit Schnee zu rechnen sei.

Und wieder einmal sah Frau Holle verärgerte Autofahrer vor ihrem geistigen Auge, die einfach nur auf der verschneiten Strasse standen
und nicht vorwärts kamen, weil sie alle im Stau standen und manche Autofahrer nur noch im Schnee mit ihrem Auto rutschten.
Und in anderen Teilen des Landes ging ein Lächeln über die Gesichter der Menschen, die sich nun auf die Menschen freuten, die zu ihnen kamen,
weil sich diese über Schnee immer freuten, wenn er fiel, da der Schnee auch mit Feriengästen in Verbindung stand.

Das Tiefdruckgebiet kam, der Schnee fiel und blieb liegen, die Schneekönigin lächelte – Frau Holle ebenfalls – und mit diesen beiden – fast –
alle Kinder und auch die Skifahrer, die nun ihre Ferienwohnung nicht umsonst schon zu Sommerzeiten gebucht hatten.

Sehnsüchtig stand ein kleines Mädchen am Fenster und schaute den Flocken zu, wie sie sachte vom Himmel rieselten.
Ihre Augen glänzten vor innerer Freude wenn sie daran dachte, von diesem großen Hügel mit ihrem Vater herunter zu fahren im Schnee,
mit all den Kindern, die ebenfalls nichts anderes kannten, als sich nur in dieser weißen Pracht zu vergnügen.

Aber zuvor mußte sie noch einmal schlafen, und in dieser stillen Nacht fiel so viel Schnee, wie schon lange nicht mehr zuvor.
Die Menschen mußten nicht zur Arbeit, da Feiertage bevorstanden, an denen sie sich nun einmal so richtig ausruhen konnten.
Die Ruhe war mit den Schneeflocken übers Land gezogen und es herrschte Eintracht in der Natur.
Ein großes Fest war gefeiert, viel Hausarbeit war getan, und ein kleines Mädchen träumte davon, mit Frau Holle zusammen
die Betten auszuschütteln, wobei der Wind grinsend dazu blies und die Flocken tanzen ließ.

Und als die Stille Nacht zu ende war, rieselte immer noch leise der Schnee.

Kypros
2007-12-25

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