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Honigbrot-Geschichten - Zwei unter vielen

geschrieben von Schreiberin am: 22.06.2017 - 19:29 Uhr

Unterwegs - Leseprobe

Ich spüre den Wind, er fegt durch mein Haar, ich rieche Meeresluft, schmecke Salz auf meinen Lippen, höre das ungestüme Rauschen, sehe weiße Schaumkämme im seichten Sand versickern. Auf der Hinweistafel lese ich die aktuellen Messwerte, es herrscht Windstärke fünf bis sechs. Das raue Klima schreckt sportliche Dauerläufer nicht vom Pflichtprogramm ab. Das betrifft ebenso die Hundehalter, wenn auch nur der Not gehorchend. Am Strand ist wenig los, auch, weil die Saison noch nicht begonnen hat.
Ich genieße jedes Mal aufs Neue die grenzenlos scheinende Wassermasse mit dem unaufhörlichen Wellenschlag, den gelblichen Sand unter meinen Füßen. Über mir schreien weißgraue Segelflieger, wahre Luftakrobaten mit gekonntem Flugmanöver, währenddessen ihre Artgenossen wie aufgereiht auf dem Geländer der Seebrücke verharren.
Ich freue mich über das trockene Wetter, stapfe vor mich hin und lasse meine Augen in die Weite wandern. Dort hinten erkenne ich die Sportiven, die Unermüdlichen. Turnusmäßig begegnen sie mir oder ich werde von ihnen überholt, derweil mein Vierbeiner die unendliche Freiheit auf seine Art nutzt. Dabei ist bedeutungslos, was die Wetterfrösche für eine Wetterlage prophezeiten.
Lothar Lotersen hatte sich heute Morgen mit Schal und Strickmütze gegen Wind und Wetter gewappnet sieht mich, bleibt wie gewohnt stehen.
«Mojn, so ein Schietwetter, haben Sie das etwa bestellt»?
Die Anrede betonte er, wobei er händereibend, mit verkniffenem Lächeln vor mir steht.
«Wieso Schietwetter, solange es nicht regnet, ist doch alles in Ordnung», trotze ich zurück. Er jedoch mosert weiter.
«Mir ist kalt, heute hält mich nichts mehr in Wassernähe. Werde mich jetzt dort oben in der Strandbar aufwärmen. Wie wär´s, ich lade auf einen Kaffee ein, haben Sie Lust»?
Die spontane Idee ist gut. Hunde sind dort ebenfalls willkommen. Mit gezieltem Blick in Richtung Uferpromenade sind wir uns einig. Den gewohnten Small Talk werden wir diesmal im Warmen halten.
Lothar Lotersen bestellt sich einen Kaffee mit viel Milch und Zucker. Selbstvergessen rührt er mit dem Löffel darin. Langsam taut er auf. Ohne erkennbare Gefühlsregung fängt er zu erzählen an. Ich höre zu, wärme mir derweil die Hände am heißen Glas, trinke Schluck für Schluck leise schlurfend meinen Grog.
«Bin bereits in Rente, das wissen Sie ja, habe viel Zeit. Daran musste ich mich erst gewöhnen....

Viel Spaß beim Weiterlesen

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